Annett Gröschner
Schwebende Lasten
Roman

C.H. Beck Verlag, München 2025
ISBN 9783406829734
Gebunden, 282 Seiten, 26,00 EUR
ISBN 9783406829734
Gebunden, 282 Seiten, 26,00 EUR
Klappentext
Hanna Krause war Blumenbinderin, bevor das Leben sie zur Kranführerin machte. Sie hat zwei Revolutionen, zwei Diktaturen, einen Aufstand, zwei Weltkriege und zwei Niederlagen, zwei Demokratien, den Kaiser und andere Führer, gute und schlechte Zeiten erlebt, hat sechs Kinder geboren und zwei davon nicht begraben können, was ihr naheging bis zum Lebensende. Hatte später, nachdem ihr Blumenladen längst Geschichte war, von einem Kran in der Halle eines Schwermaschinenbaubetriebes in Magdeburg einen guten Überblick auf die Beziehungen der Menschen zehn Meter unter ihr und starb rechtzeitig, bevor sie die Welt nicht mehr verstand. Hanna Krause blieb bis zu ihrem Tod eine, die das Leben nimmt, wie es kommt. Ihr einziges Credo: anständig bleiben. Annett Gröschners Roman erzählt die Geschichte eines Jahrhunderts in einem einzigen Leben und gibt, mit Hanna, denen ein Gesicht, die zu oft unsichtbar bleiben. Ein Roman über das Ende des Industriezeitalters und seiner Heldinnen im Osten Deutschlands - und über eine gewöhnliche Frau in diesem unfassbaren 20. Jahrhundert.
BuchLink. In Kooperation mit den Verlagen (Info)
Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2025
Ein Roman, der das besondere und einfache wunderbar verzahnt, hält Rezensentin Marie Schmidt mit Annett Gröschners Geschichte in Händen, die sich ganz um die Protagonistin Hanna Krause dreht. 1913 geboren, habe sie fast das ganze 20. Jahrhundert mit all seinen Katastrophen zwischen Bomben und Stahlwerken der DDR gesehen und fast nebenbei eine Familie gegründet, mit 25 sei sie bereits das sechste Mal schwanger gewesen. Schmidt liest, wie Krause im selben Alter eine Begegnung erlebt, die ihr Leben verändert: Ein Mann betritt ihren Blumenladen und verlangt nach einem quasi unmöglichen Strauß im Stile alter Meister, unmöglich, weil die gewünschten Blumen gar nicht alle zur selben Zeit blühen. Wir erfahren, dass Gröschner hingebungsvoll und detailliert das Leben einer ganz normalen, aber durchaus emanzipierten Frau in einer wenig normalen Zeit schreibt, für die Kritikerin liest sich das wie eine "Irmgard-Keun-Welt für Magdeburger Arbeiterinnen." Sie kann die Lektüre nur empfehlen.
Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 21.03.2025
Rezensent Michael Eggers bekommt in dem neuen Roman von Annett Gröschner ein gutes Gefühl dafür, wie ein Frauenleben im langen 20. Jahrhundert ausgesehen hat: Im Zentrum steht die Magdeburger Kranführerin und Floristin Hanna Krause, die alle großen Katastrophen miterlebt hat. Im Feuersturm des Zweiten Weltkriegs habe sie zwei ihrer sechs Kinder verloren, in der DDR als Arbeiterin mit angepackt. Eggers zufolge schildert Gröschner das meisterhaft, ohne zu psychologisieren, mit wie zufällig wirkenden Details, "weil die Erinnerung etwas braucht, an das sie sich knüpft", das erzeuge eine unglaublich reale, lebendige Wirkung. Hannas Interesse an der Floristik trage die Autorin Rechnung, indem sie jedem Kapitel die Beschreibung einer Pflanze voranstelle. "Ein großartiger Roman", resümiert der Kritiker angesichts der Überzeugungskraft, die die erzählte Menschlichkeit entwickelt.
Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.03.2025
Einen wunderbar facettenreichen Familienroman hat Annett Gröschner geschrieben, freut sich Rezensentin Lerke von Saalfeld. Einen, in dem die Protagonistin Hanna Krause wie ein "weibliches Denkmal" für all die schicksalshaften Wendungen steht, die das abenteuerliche 20. Jahrhundert hervorgebracht hat. Wir erfahren, dass die Handlung in Magdeburg spielt, über die Kriege, den NS und die DDR hinweg lebt Hanna dort, erst als Blumenbinderin, dann als Kranführerin, die ihre sechs Kinder und den Mann durchbringt. Das liest sich für Saalfeld trotz der Härte der Geschehnisse stets heiter und wahnsinnig charmant. Und auch Gröschners großes Talent für "hellhörige Beobachtungen" fällt der Rezensentin erneut auf.
Rezensionsnotiz zu Die Welt, 20.03.2025
Schon den Titel "Schwebende Lasten", entlehnt aus der "Sprache des Arbeitsschutzes", findet Rezensent Marc Reichwein super und den so benannten Roman von Annett Gröschner ebenfalls: Er spielt in Magdeburg, im Zentrum steht Hanna Krause, eine Arbeiterfrau, die von 1913 bis 1992 gelebt und alle Verirrungen des 20. Jahrhunderts mitgemacht hat. Die sechs Kinder und den invaliden Ehemann bringe sie mit ihrer Arbeit als Kranführerin im Stahlwerk durch, doch eigentlich sei sie im Herzen immer Floristin geblieben, ihr gelernter Beruf. Eine Szene ist Reichwein da besonders in Erinnerung geblieben: Ein mysteriöser Kunde bestellt bei Hanna einen Blumenstrauß, der so aussieht wie auf einem Gemälde von Ambrosius Bosschaert, was schon deshalb schwierig ist, weil die Blumen darin alle zu unterschiedlichen Zeiten blühen. Für die Protagonistin sei dieser Mann wie ein Fenster in ein anderes, kultivierteres Leben gewesen. Reichwein lobt vor allem auch die "Tiefenschärfe", die Gröschners Roman von anderen Büchern über die Frauenschicksale des 20. Jahrhunderts abhebt; ihre genauen Beobachtungen vermitteln ihm ein Gefühl davon, wie akribisch sie recherchiert haben muss.
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