Monika Rinck

Höllenfahrt & Entenstaat

Gedichte
Cover: Höllenfahrt & Entenstaat
Kookbooks Verlag, Berlin 2024
ISBN 9783948336264
Broschiert, 96 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Gegrüßet seiest du, angehaltene Natur. Der Müde bist du. Wie wird es dem Müden ergehen, wenn er mit seiner unsterblichen Seele, von rasenden Autos ruppig überholt, auf dem Standstreifen langsam in Richtung Unterwelt geht? Monika Rinck erkundet in ihrem Langgedicht "HÖLLENFAHRT" automobile Todesfahrten und andere Unterweltreisen. In einer Folge von Gedichten geht es durch markante Jenseitstopographien und entlang der genehmigten beschleunigten Straßenprojekte der Bundesregierung in eine neue Mitwelt, in der die Starre des Frosts von der Hitzestarre nicht mehr zu unterscheiden ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.12.2024

Kritiker Geertjan de Vugt stimmt eine Eloge auf die Lyrikerin Monika Rinck und ihre rhythmischen Gedichte an, die ihn durchwirbeln wie eine Spritztour auf der deutschen Autobahn. Letztere ist für Rinck "In Beton gegossene Freiheit", auf der es "ohne jede Menschenschwere" vorangeht, leicht und luftig und reich an klugen Verbindungen findet Vugt denn auch ihre Gedichte. Die menschenbedingte Belastung der Erde spielt bei Rinck eine große Rolle und steht auch als lyrische Gegenposition zur Raserei als Hinweis auf die Stille beziehungsweise auf das Sterben der Natur: "O Müder, schau auf das Laub, das sich gar nicht bewegt. / Kein einziges Blättchen im Wind, das sich regt, Zacken / absolut starr." Bei dem hohen Tempo hat Rinck aber doch auch Zeit für "intertextuelles Augenzwinkern", so der Kritiker: Thomas Mann und Walter Benjamin winken vom Fahrbahnrand. Rinck ist für den Rezensenten unzweifelhaft eine der "interessantesten" Dichterinnen der Gegenwart.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.11.2024

Wer behauptet, Gedichte hätten nichts mit der Wirklichkeit zu tun, dem wird Rezensent Tobias Lehmkuhl diesen Lyrikband von Monika Rinck unter die Nase halten, der ihn abwechselnd zum Lachen und zum Weinen bringt. Wie schon in früheren Werken beschäftigt sich Rinck hier mit dem Thema "Mobilität" und lässt dafür sehr pragmatische Dokumente, wie zum Beispiel die "Elektrokleinstfahrzeuge-Verordnung" mit ein - klingt langweilig? Absolut nicht, versichert Lehmkuhl, im Gegenteil: "Schreiend komisch" und gleichzeitig "erschreckend" widmet sich Rinck der Auto- und Technikbesessenheit der Deutschen und nimmt dabei ganz klar eine kritische Position ein, wie schon an einem Titel, wie "Das Maut-Desaster - ein Oratorium" deutlich wird. Es fließen aber auch zahlreiche kulturelle Verweise mit ein, die das Titelthema "Höllenfahrt" verhandeln, die Zusammenhänge sind angesichts exzessiven Autobahnbaus und drohender Klimakatastrophe klar. Später entführt Rinck den Rezensenten dann noch in den "Der Entenstaat", einer Art deutsches Entenhausen, das dem hingerissenen Kritiker unter anderem solche Zeilen beschert: "An Donnerstagen kann man das Entenorakel alles fragen. / Alles. Auch Todesdaten. Triagefragen. Germanische Sagen." Sprachlich glänzen die Gedichte durch "geschmeidige Tempowechsel" und eine "klanglich astreine Kurvenlage" - kurzum, dagegen kommt kein Rennwagen an, schließt Lehmkuhl.

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