Kennzeichnend für die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts sind der konsequente Ausbau des Verfassungsstaats mit dem Siegeszug der Verfassungsgerichtsbarkeit und die Europäisierung und Internationalisierung der nationalen Staaten in Europa. Die Verfassungsidee, die historisch für den Staat entwickelt wurde, erhält heute Bedeutung auch für die supranationalen und internationalen Organisationen, sie verbindet die Entwicklung von mehr als zwei Jahrhunderten. Dieser Band verbindet detaillierte historische Studien mit systematischen Überlegungen und bietet zugleich einen Überblick über die gegenwärtigen rechtswissenschaftlichen Debatten im Kontext der Europäisierung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.08.2003
Rainer Wahls Band "Verfassungsstaat, Europäisierung, Internationalisierung", der die jüngsten Aufsätze des Verfassungsgeschichtlers versammelt, hat Rezensent Gerd Roellecke rundum überzeugt. Ausgehend von der Französischen Revolution und dem Nationalstaat des neunzehnten Jahrhunderts verfolgt Wahl die Entwicklung politischer Organisation bis zur Diskussion über eine gemeinsame Verfassung der Europäischen Union, berichtet Roellecke. Wahl verknüpfe Verfassungsdogmatik und Verfassungsgeschichte und ziehe eine Linie von den frühliberalen Verfassungen Badens, Bayerns und Württembergs (1818/19) bis zum geltenden Grundgesetz und verlängere sie in die Zukunft und in den Bereich des Internationalen. So könne er zeigen, "dass die Befugnisse des Bundes, Hoheitsrechte auf zwischenstaatliche Einrichtungen zu übertragen (Artikel 24 des Grundgesetzes) gleichsam die Staatsseite der internationalen Organisation der Politik ist". Als "Glanzstück" des Bandes würdigt Roellecke Wahls Darstellung der Verfassungsentwicklung von der Französischen Revolution bis zur deutschen Einigung, die "meisterlich" historische Konflikte mit aktuellen Problemen beleuchte und den Leser gleichsam an der Verfassungsdiskussion des neunzehnten Jahrhunderts teilnehmen lasse.
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