Originalausgabe. Der neue Persönlichkeitstyp unseres postmodernen Zeitalters ist der Ich-Orientierte. Selbstbestimmt und frei von allen Vorgaben erzeugt er seine eigene Wirklichkeit, anstatt sich der gegebenen, oft bedrückenden Realität auszuliefern. Aber wie sieht es in seinem Innersten aus? Welche Bedürfnisse, Triebe, Sehnsüchte, Träume hat er, und erlaubt sein postmoderner Lebensstil ihre Befriedigung? Die Merkmale sowie die Auswirkungen der postmodernen Ich-Orientierung zeigt der Psychoanalytiker Dr. Rainer Funke kenntnisreich, profund und gut nachvollziehbar.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.04.2005
Zurückhaltend äußert sich Rezensent Clemens Pornschlegel über Rainer Funks Studie über die postmoderne Ich-Orientierung. Als Kennzeichen des postmodernen Ich nennt er die Fähigkeit, sich im Wissen um die Konstruiertheit von Welt und Ich frei und spontan selbst zu erzeugen. Anzutreffen sei dieses postmoderne Ich bei etwa acht bis zwölf Prozent der Bevölkerung, vorzugsweise Programmierern, Webdesignern, PR- und Kultur-Menschen. Pornschlegel hebt hervor, dass Funk die "pathogenen Tendenzen" dieses postmodernen Ich "behutsam" herausarbeitet. Dennoch findet er den Erkenntnisgewinn dieser Studie letztlich "bescheiden". Die Sprüche, Illusionen und Realitäten, an denen Funk sich abarbeite, entstammten nämlich einer Zeit, die längst wieder passe ist, den neunziger Jahren. "Der postmoderne Mensch kam und träumte", befindet der Rezensent. "Und dann verschwand er wieder." Funks Studie hätte einen Slogan aus dieser Zeit besser beherzigen sollen: "Don't believe the hype."
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 19.02.2005
Rezensent "lx" schaut Rainer Funk bei dessen Versuch, die seelische Landschaft des postmodernen Menschen zu beschreiben, nur eine Weile lang zu. Funk erkläre die "kompromisslose Ich-Orientierung" der jüngeren Zeit nicht als Wiederkehr des Narzissmus, sondern als neuen Persönlichkeitstypus, der sowohl auf der ökonomischen Lage als auch auf der "Philosophie der postmodernen Selbstsetzung" beruhe. Mit der Zeit aber gewinnt der Rezensent den Eindruck, dass Funks Beschreibung schon wieder veraltet und der von im postulierte Typ seit den 1990er Jahren "schon deutlich wieder am Aussterben" ist. Denn die wirtschaftlichen Voraussetzungen hätten sich seit Beginn des 21. Jahrhunderts schon wieder verändert. Und das "nicht zum Guten".
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