Raimund Schulz

Welten im Aufbruch

Eine Globalgeschichte der Antike
Cover: Welten im Aufbruch
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2025
ISBN 9783608988031
Gebunden, 496 Seiten, 38,00 EUR

Klappentext

Von Alexander dem Großen bis Konstantin, von Buddha bis Jesus: Die erste vergleichende Universalgeschichte der Antike. Wir erleben mehr als zwei Jahrtausende wechselvolle Menscheitsgeschichte und betreten Kulturräume voller verblüffender Gemeinsamkeiten und Besonderheiten - ihren Einfluss können wir bis in die Gegenwart spüren. Die Welten Eurasiens haben Anfänge, die weit in die Vergangenheit zurückreichen: Unwirklich mutet an, dass viele große Kulturen und Reiche durch nomadische Eroberer begründet wurden, die schon in der Antike globale Handelsverbindungen über riesige Distanzen knüpften, von der Ostsee bis ans Chinesische Meer, von der Sahara bis nach Sibirien. Menschen bewegten sich auf den großen Pfaden der Welt hin und her, errichteten und zerstörten Städte und Großreiche. Herrscher und Imperien kämpften um Einflusszonen und Reichtümer. Doch auch die großen Weltreligionen nehmen ihren Anfang in der Antike. Sie sind Ausdruck einer in ganz Eurasien lebendigen Überzeugung, dass es jenseits der Welt der Menschen Mächte gibt, die man beeinflussen, aber auch fürchten musste. Asien und Europa waren bei allen Katastrophen von einem Optimismus geprägt, der dem Westen jetzt verloren geht, im Osten aber immer neue Dynamiken entfesselt. Warum ist das alles in der Antike entstanden? Wie hingen die Großreiche und Kulturen zusammen? Und inwiefern prägen uns diese Entwicklungen bis heute?

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.08.2025

Raimund Schulz betrachtet die Antike aus einer realistischen und transkulturellen Perspektive, was Rezensent Clemens Klünemann sehr zusagt. Er plädiert dafür, die Antike nicht nur aus griechisch-römischer sowie eurozentrischer Perspektive, sondern als globale Geschichte zu betrachten, in der auch China, Indien, Persien und andere Kulturen gleichwertige Rollen spielen. Der Historiker zeigt, wie Mobilität, Imperienbildung, Religion, Wirtschaft und kultureller Austausch die Dynamik der antiken Welt prägten und dass Aufbrüche und Innovationen stets aus dem Zusammenspiel verschiedener Gesellschaften entstanden. Klünemann merkt anerkennend, dass Schulz religiöse Traditionen vergleichend skizziere und zentrale Fragen zu Leben, Tod und Heiligem global verständlich mache. 

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 14.04.2025

Ambitioniert und faszinierend ist, was Raimund Schulz hier versucht, findet Rezensent Hans von Trotha: eine Globalgeschichte, die sich auf die Antike konzentriert. Der Zeitraum, den dieses Buch behandelt, umfasst ungefähr die Jahre 2000 vor bis 200 nach Christus, beschreibt Trotha, geografisch geht es um den eurasischen Raum, strukturiert ist das Buch thematisch, es beginnt mit den Nomaden, später werden unter anderem Städte, Handelsbeziehungen und Religion behandelt. Außerdem stellt Schulz klar, lesen wir, dass die Antike eine zentrale Stellung einnimmt für heutige Versuche, Geschichte als Globalgeschichte zu schreiben. Trotha liest das alles gern, weist aber abschließend darauf hin, dass Schulz keineswegs ein Buch für die entspannte Nebenbeilektüre geschrieben hat.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.03.2025

Gewartet hat Rezensent Jannis Koltermann durchaus auf ein Buch zu diesem Thema; nur leider überzeugt ihn Raimund Schulz' Versuch, die Geschichte der Antike aus globalhistorischer Perspektive darzustellen, wenig. Das beginnt beim makrostrukturellen Aufbau: Einerseits gliedert sich das Buch in fünf thematische Kapitel, darunter solche zu Städten, Handel und Nomaden, andererseits schreitet es jedoch auch chronologisch in der Zeit fort, sodass etwa Städte nur in einer bestimmten Entwicklungsperiode bis ins 6. Jahrhundert ausführlich behandelt werden, davor und danach jedoch nicht. Dieser Aufbau ist argumentationstechnisch ungünstig, findet Koltermann, weil er die Vergleichsmöglichkeiten einschränkt, und dass die Kapitel ihrerseits dann geografisch gegliedert sind, macht die Sache nicht besser, es fehlen dadurch Kontexte. Schließlich moniert der Rezensent noch, dass Koltermann zu wenig nach den Gründen der Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Phänomenen fragt. Keine Frage, Schulze kennt sich in seinem Thema gut aus in all den von ihm beschriebenen eurasischen Kulturen, das gesteht Koltermann ihm durchaus zu, aber hier ist es ihm nicht gelungen, sein Wissen in ein anregendes Buch zu übersetzen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.03.2025

Recht beschwingt berichtet Rezensent Johan Schloemann über dieses "imposante", aber keineswegs monumentale, sondern konzise Unterfangen einer Globalgeschichte der Antike. Diese Geschichte erstreckt sich über einen Zeitraum von 2.000 Jahren und einen geografischen Raum, der ganz Eurasien (aber nicht Lateinamerika) umfasst, und zwar immer vom Osten ausgesehen, der Griechen und Römer als relativierte Größen dastehen lässt, so der erfreute Rezensent. Hier geht's also um die Phönizier und die Römer, die Chinesen und alle möglichen anderen Völkerschaften, die teilweise in Beziehungen standen und sich teilweise nicht mal kannten. Fasziniert zeichnet Schloemann nach, wie Schulz diese Masse ordnet - nämlich nach fünf Ordnungsprinzipien, die diese frühen Kulturen auszeichnen: das Nomadentum, der Aufstieg der Städte, die Bildung von Imperien, die Wirtschaft und der Handel und last but not least natürlich die Religionen. Mit dieser Sortierung, so Schloemann, kriege Schulz es hin, "monokausale Kulturtheorie" zu vermeiden und eher - so scheint es - in Verflechtungen zu denken. Wobei ein Menschheits-Gegensatz für Schloemann doch als der konstitutivste übrigbleibt, nämlich der Gegensatz von Nomadentum und Sesshaftigkeit. Schloemann gibt eine begeisterte Leseempfehlung.