Radka Denemarkova

Schokoladenblut

Roman
Cover: Schokoladenblut
Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2026
ISBN 9783455021721
Gebunden, 576 Seiten, 34,00 EUR

Klappentext

Aus dem Tschechischen von Eva Profousova. Mitte des 19. Jahrhunderts sitzt die Schriftstellerin Božena Němcová in ihrer kleinen Schreibstube und verfasst mit schwerer Hand ein patriotisches Märchen, an dessen Botschaft sie selbst nicht glaubt. George Sand, ihre französische Zeitgenossin, konnte sich den Zwängen der Konventionen widersetzen und schreibt mit leichter Feder Romane. Auf der anderen Seite des Atlantiks gründet J.D. Rockefeller, der erste Milliardär der Weltgeschichte, sein Imperium auf einem dickflüssig-braunen Rohstoff. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 01.07.2026

Rezensentin Viktoria Großmann warnt vor: Die Lektüre des neuen Buches von Radka Denemarkova, in Tschechien bereits 2023 erschienen, nervt. Und doch hallt sie lange nach, ändert sie doch manche Perspektive. Das Buch, als Roman deklariert, aber laut Kritikerin irgendwo zwischen literarischer Reportage, "Hauptseminar in Bohemistik", feministischem Manifest und politischem Leitartikel angesiedelt, verwebt die Schicksale von George Sand, John D. Rockefeller und Tschechiens berühmtester Schriftstellerin Bozena Nemcova um von Nationalismus, Turbokapitalismus, aber auch der Abwertung von Frauen, Rassismus und Judenhass zu erzählen, verrät Großmann, die in ihrer Kritik vor allem auf Nemcovas Rolle im Buch eingeht: Von Nationalismus und ihrem patriotischen Ehemann zur tschechischen Sprache gezwungen, dabei stets in Armut lebend, war es ihr nie möglich, dem eigenen Willen nachzugehen. Dazu bedurfte es sogenannter "Safran-Männer", die Frauen unterstützten, ohne ihnen etwas vorzuschreiben, liest die Rezensentin. Ganz klar wird die Handlung nicht, gelegentlich geht es um aktuelle Politik, manches ist langatmig, anderes zu flüchtig - und dennoch bereut Großmann die Lektüre keinesfalls, wie sie versichert.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 04.06.2026

Der neue Roman von Radka Denemarková weiß Rezensentin Olga Hochweis nicht zu überzeugen: Sie stellt darin die Lebensläufe der Autorinnen Božena Němcová und George Sand sowie von John D. Rockefeller gegenüber und überstrapaziert dabei die Metapher eines Zugs durch Raum und Zeit. Auch die feministische Kritik an Rockefeller und den Männern im Leben der Autorinnen findet sie zu plakativ. Für Hochweis handelt es sich hier um einen Thesenroman, nicht um eine angemessene Rekonstruktion der Leben der beeindruckenden Frauen, die sie hier eigentlich vorstellt.