Rachel Seiffert

Feldstudien

Cover: Feldstudien
Albrecht Knaus Verlag, München 2004
ISBN 9783813502343
Gebunden, 221 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Barbara Heller. Die liebevollen Fingerspitzen einer Mutter, der hilflose Zorn eines Kindes, die stille Hoffnung einer verlassenen Frau - Rachel Seiffert erzählt unspektakulär, einfühlsam. Die Orte ihrer Geschichten sind Grenzbereiche - von Gefühlen, Beziehungen, Lebensabschnitten. Die sprachlose Fremdheit zwischen Alice und ihrer achtjährigen Tochter wird erst in der Grenzerfahrung der Krankheit erkennbar. Beide müssen einen neuen Weg zueinander finden. Ewa hat es nie verwunden, dass Pjotr sie und den kleinen Jacek ohne ersichtlichen Grund verlassen hat. Nach Jahren beschließt sie, die offenen Grenzen zwischen Polen und Deutschland zu nutzen, um endlich eine Antwort zu erhalten. Sie findet ihren Mann in Berlin und begegnet eigenem Scheitern und eigenen Möglichkeiten.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.07.2004

Rachel Seiffert, in England geboren und aufgewachsen, stammt aus einer Familie mit deutsch-australischen Wurzeln, verrät Angela Schader und weist darauf hin, dass schon in Seifferts Debütband ("Die dunkle Kammer") die Zeit des Nationalsozialismus überaus präsent war. In ihren neuen Erzählungen löst sich die dreißigjährige Autorin weitestgehend von dieser thematischen Bindung, so Schader, Handlungsorte seien nicht mehr nur Deutschland, sondern auch England und Polen, und überhaupt wirkten viele Erzählungen eher losgelöst von Zeit und Ort. Das Geheimnis von Seifferts Erzählkunst, versucht die Rezensentin ihre Begeisterung in Worte zu fassen, sei das "schmale Lächeln", das ihre Protagonisten gelegentlich zeigten, kleine errungene Siege über einen von Krieg und Geschichte beschädigten Alltag. Das Themenspektrum reiche ebenso in die Vergangenheit des Zweiten Weltkriegs zurück wie in die jüngere Geschichte Polens oder Ostdeutschlands, schreibt Schader, handelt aber auch Geschichten von heute ab, wie die einer alleinerziehenden Mutter oder irrationale Kinderängste. Seifferts Prosa setze auf Substantive, Rhythmus und knappe Bögen, was Barbara Heller in ihrer Übersetzung wunderbar herausgearbeitet habe, lobt die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 25.06.2004

Tobias Döring vergleicht die Verfasser von Kurzgeschichten mit Touristen: Beide haben nicht viel Zeit (Platz) und suchen die Bedeutung im typischen Zeichen. Beide sind Meister des Schnappschusses, der das Eigentliche im Symbolträchtigen bannen soll. Das kann glückhaft gelingen, aber meistens geht es schief, und Rachel Seifferts Geschichten sind dem Rezensenten Beleg für das eine wie das andere. In einer Erzählung, "Blau", gelinge es der jungen Engländerin, gekonnt zu verknappen, den berühmten Eisberg Hemingways im richtigen Maß einzutauchen, Distanz zu bewahren, zugleich aber "ein ganzes Panorama an Gefühlen anzudeuten, die um so stärker wirken, als keines davon ausgesprochen wird". In den meisten anderen Texten dagegen: dick aufgetragene Symbole, "schicksalsschwere Schauplätze", die Gefühle in der Ausstattung mehr begraben als sichtbar gemacht. Vieles davon, so Döring, spielt im gegenwärtigen Berlin. "Dass darin das Typische der Stadt zum Vorschein käme, mögen allenfalls Touristen sehen. Und die haben es bekanntlich schwer." Zumindest in den Augen der Einheimischen.
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