John Burnside

Haus der Stummen

Roman
Cover: Haus der Stummen
Albrecht Knaus Verlag, München 2014
ISBN 9783813506129
Gebunden, 256 Seiten, 19,99 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Bernhard Robben. John Burnside zeichnet in seinem ersten Roman das Porträt eines jungen Mannes, der von maßlosem Forschergeist in den Wahnsinn getrieben wird.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.12.2014

Kein Buch für zarte Gemüter, auch nicht für Eltern kleiner Kinder annonciert Rezensent Hubert Spiegel mit John Burnsides erstem, jetzt auf Deutsch erschienenem Roman. Das Buch in der Tradition von Mary Shelleys "Frankenstein" zu lesen, scheint Spiegel möglich. Doch was Burnsides tiefgestörter Held im Namen der Rationalität erkunden möchte, den Sitz der Seele beim Geschöpf, hat für Spiegel einen irrationalen Kern, der, anders als bei Shelley, den Täter vom Opfer entfernt. Burnsides Figur ist laut Spiegel ohne jedes Einfühlungsvermögen, und Hoffnung findet der Rezensent im Buch nicht.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 24.11.2014

Hans-Peter Kunisch liest John Burnsides Erstling von 1997 mit Entsetzen und Genuss. Wie jemand zum Mörder wird, kann ihm der Autor mit seiner Geschichte zwar auch nur ansatzweise erklären, wie Burnside jedoch seltsame Stimmungen und Verhaltensweisen darstellt, findet Kunisch meisterhaft. Dass der menschenkundige Autor auch Spannung herzustellen und sprachlich klar zu erzählen weiß, macht das Buch für den Rezensenten zum Ereignis. Die Frage, ob er mit der ambivalenten Persönlichkeit des Protagonisten fühlen kann oder soll, entscheidet sich für Kunisch spät, doch trotz aller Gewalttätigkeit der Figur am Ende doch zu ihren Gunsten. Für Kunisch ein Thriller mit Understatement, der im zweiten Teil so richtig auf Touren kommt und nicht zuletzt auch durch seine Übersetzung überzeugt.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 15.11.2014

Schauerlich findet Elmar Krekeler diesen endlich auf Deutsch erscheinenden ersten Roman des schottischen Autors John Burnside, laut Krekeler gar der bedeutendste. Schauerlich, doch dringend zu empfehlen, meint er. Auch wenn der Autor sogleich drastisch loslegt und dem Leser mit der Geschichte eines Psychopathen nichts erspart, der Roman einer Ansammlung finsterer Gänge gleicht und die dargestellte Wirklichkeit wie auch Burnsides Sprache dunkelmagisch, horrormäßig funkelt, wie Krekeler schreibt, so lernt der Rezensent doch fürs Leben mit diesem Buch und weiß künftig dies: dass der Ort der Seele nicht zu finden ist.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 01.10.2014

Stephan Speicher traut dem Erzähler und Bösewicht in John Burnsides "Haus der Stummen" all die Grausamkeiten nicht so recht zu, die Vivisektionen an Ratten, Kaninchen und schließlich Menschen. "Zu knickbeinig im Kopf" findet der Rezensent ihn. Das Wissenschaftsethos, mit dem der Ich-Erzähler seine Taten rechtfertigt, ist viel zu schlicht - oder schlicht falsch, bedauert Speicher, der sich an eine Faust-Parodie erinnert fühlt. Dabei sind Burnsides akribische Beschreibungen der Operationen am lebenden Wesen durchaus beeindruckend, so der Rezensent, es fehlt nur der große, oder wenigstens kaputte Geist, um den Taten auch Bedeutung zu geben, erklärt Speicher.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.09.2014

Angela Schader entdeckt das Irrationale, seine Gefährlichkeit und Schönheit mit diesem Autor. Auch in dem nun auf Deutsch vorliegenden Erstlingsroman von John Burnside vermag die Rezensentin sich an des Autors kühl-luzider (hier laut Schader hervorragend übersetzten) Sprache zu erfreuen, ihrer Sogkraft und der schließlich sich eröffnenden Familienfinsternis, dem Abgrund. Ausgangspunkt für diese Reise ist laut Schader des Autors eigene schwierige Biografie, die sich der Rezensentin in den Romanrückblenden in die von morbiden Experimenten geprägten Kindheit des Erzählers allerdings in modifizierter Weise darstellt. Für Schader ist das Buch ein Juwel, ungeschliffen zwar, aber schon schön.