Rachel Lichtenstein, Iain Sinclair

Rodinskys Raum

Cover: Rodinskys Raum
Claassen Verlag, München 1999
ISBN 9783546001786
Gebunden, 347 Seiten, 22,50 EUR

Klappentext

Als die Behörden eines Tages das Dachgeschoss einer altehrwürdigen Synagoge öffneten, stießen sie auf einen geheimnisvollen Raum: Alte Bücher, kabbalistische Schriften und Stapel von Papier, eng beschrieben mit seltsamen Zeichen, türmten sich auf Mobiliar und Boden...

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.07.2000

Michael Althen ist von diesem "Sachbuch" so ergriffen, dass er beim Schreiben fast ins Stottern gerät. Wie er erzählt, basiert die Geschichte auf einer wahren Begebenheit: irgendwann in den 60er Jahren verschwand der Synagogendiener David Rodinsky spurlos aus seiner Kammer in der Londoner Synagoge in Whitecapel. Bemerkt wurde das jedoch erst zehn Jahre später. Als man das Zimmer öffnete, war die Einrichtung unberührt. Warum und wohin Rodinsky verschwand, erfuhr man nie. Rachel Lichtenstein quartierte sich später in der Kammer ein und schrieb dieses Buch über den Verschwundenen, der dennoch eine "Leerstelle" bleibt, wie Althen meint - und genau das sei das Faszinierende an dem Buch. Gerade weil der Leser keine Identifikationsmöglichkeit mit der Hauptfigur habe, folge er der Autorin umso gespannter bei ihrer Suche, die zu einer Suche nach der eigenen jüdischen Identität Lichtensteins werde. Zugleich sei das Buch jedoch auch eine Topografie des verschwundenen jüdischen Lebens in Whitechapel. Der verschwundene Rodinsky werde zu einer "Metapher für all die jüdischen Schicksale, die im 20. Jahrhundert auf so grauenvolle Weise ausgelöscht wurden", schreibt der tief beeindruckte Rezensent. Ja mehr noch, der Rezensent hat bei der Lektüre das Gefühl, dass "in der Geschichte des jüdischen Volkes der Schlüssel zu allen Geheimnissen unserer Zeit liegt." Wem das zu pathetisch klingt, dem sei noch gesagt, dass der zweite Autor des Buches, der Publizist Iain Sinclair, Lichtensteins Überlegungen mit sachlichen Überlegungen "kontert".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.05.2000

Ein offensichtlich überaus seltsames und faszinierendes Buch hat die Rezensentin Sonja Zekri da gefunden. Es erzählt, wenn man ihr glaubt, aus zwei ganz unterschiedlichen Perspektiven die Geschichte des Hausmeisters der zweitältesten Synagoge Londons, David Rodinsky, der 1969 im Alter von 44 Jahren veschwand. Ein Kabbalist sei er gewesen, ein "Narr Gottes" und Sprachgenie. Er wohnte über der Synagoge - und erst im Jahr 1987, zwanzig Jahre nach seinem Verschwinden, öffnete man seinen Raum voller Wörterbücher und kabbalistischer Diagramme. Rachel Lichtenstein, so skizziert es Zekri nähert sich Rodinsky mit heiligem Eifer an. "Von einem reinen Gefühl getrieben" lasse sie die Leser an ihren Recherchen über den rästselhaften Mann teilhaben. Der Journalist Iain Sinclair dagegen schreibe in einem fast zynischen und sachlichen Ton. Ihn interessiere nicht Rodinsky, sondern der Raum, "in dem er sein ganzes Leben hinterlassen" hat. Er wird für Sinclair auch für eine Chiffre für die Romantisierung des Whitechapel-Viertels, in dem die Immobilienmakler die Legende von Rodinsky dazu benutzen, den "Stadtraum künstlich zu patinieren".
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