Eddie Campbell, Alan Moore

From Hell

Ein Melodram in sechzehn Teilen
Cover: From Hell
Cross Cult Verlag, Asperg 2008
ISBN 9783936480535
Gebunden, 604 Seiten, 49,80 EUR

Klappentext

Grüße aus der Hölle: 1888 bringt ein bis heute anonymer Mörder vier Prostituierte im Londoner Stadtteil Whitechapel um. Morde von ausgesprochener Brutalität: den vier Dirnen werden die Kehlen aufgeschlitzt, ihre Unterleiber werden verstümmelt. Die Person und die Motive des Täters liegen bis heute im Dunkeln. 1988 begann Alan Moore die Arbeit an "From Hell". Zehn Jahre sollte er für dieses monumentale Werk benötigen, das mehr ist als nur eine minutiöse Aufarbeitung und Interpretation der Ereignisse in und um Whitechapel jener Tage. Auf sechshundert Seiten schildert dieser berühmte grafische Roman, wie sich reale Ereignisse und irrationale Ängste im London Ende des 19. Jahrhunderts zu einer Massenparanoia ungekannten Ausmasses ausweiten.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 17.03.2009

Alan Moores und Eddie Campbells "From Hell" nutzt Georg Seeßlen für einige grundsätzliche Überlegungen zur Graphic Novel als Pendant zum bürgerlichen Roman und zur Blood Poetry im Besonderen. Letztere bezeichnet Seeßlen als "eine Art heftige Trauerarbeit", in deren Bluttaten sich nicht die "bizarre Schönheit der Gewalt" spiegele, sondern das Wesen der Gesellschaft zum Ausdruck komme, der zivilisatorische Bruch (laut Seeßlen schließe Moore dabei auch Über-Ich und Es kurz, Königin Victoria und den sadistischen Frauenmörder miteinander kurz ) . In dieser Kategorie ist "From Hell" für Seeßlen ein Meisterwerk. Denn Moore erzählt die Geschichte der Whitechapel-Morde nicht als "Whodunit" - wer sich hinter Jack the Ripper verbirgt, steht von vornherein fest -, sondern als ein Verbrechen, das die Essenz der 1880er Jahre in sich birgt, das Verschmelzen rationaler und irrationaler Kräfte in einer Welt, "die durch den Fortschritt noch finsterer wurde". Dabei zeigt die mit Anspielungen und Zitaten gespickte Geschichte nicht nur, was der Comic als Literaturform alles kann, nein, sie ist auch richtig gut erzählt, versichert Seeßlen: Alan Moore hat ein Gespür für Zeit und Rhythmus".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 28.01.2009

Eine Graphic Novel par excellence hat Christoph Haas wiederentdeckt. Der Band, ein schwerer Ziegel, der lange Zeit vergriffen war, hat ihm die Whitechapel-Morde und das Rätsel um "Jack the Ripper" auf ungewohnt detaillierte und offene Weise zugänglich gemacht. Dass es Alan Moore nicht um die reine Illustration seiner Thesen und um die Darstellung der einen Wahrheit geht, sondern um die szenisch gekonnte Umsetzung eines vielschichtigen historischen Tableaus (Haas nennt Moore einen "Balzac des Comics"), erscheint dem Rezensenten besonders wertvoll. Die dokumentarische, von einem voluminösen Anhang untermauerte Genauigkeit geht für Haas eine erhellende Verbindung ein mit Moores spekulativem und kulturkritischem Anliegen, die Whitechapel-Morde als Auftakt der Moderne zu vermitteln. Eddie Campbells Zeichnungen stützen dieses Anliegen laut Haas durch subtile eigene Akzente, grafische Reduktion und den weitgehenden Verzicht auf Gothic-Horror-Effekte. Für eine angemessene Würdigung der inhaltlichen Vielfalt und der Bilder rät der Rezensent zu mehrmaliger Lektüre.
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