Pino Arlacchi

Ware Mensch

Der Skandal des modernen Sklavenhandels
Cover: Ware Mensch
Piper Verlag, München 2000
ISBN 9783492042451
Gebunden, 215 Seiten, 19,43 EUR

Klappentext

Feierlich wurde in internationalen Deklarationen die Sklaverei verdammt. Die Realität sieht völlig anders aus: Die moderne Sklaverei ist ein Teil unseres Lebens. Der Menschenhandel wird von mächtigen kriminellen Netzen organisiert; die modernen Ketten sind nicht mehr aus Eisen, aber vielleicht noch wirksamer. Da gibt es Schuldensysteme, für die ganze Familien ein Leben lang arbeiten müssen, ohne je frei zu werden. Millionen von Frauen und Kindern werden als Sexsklaven verkauft, zum Beispiel nach Deutschland: 75% aller Prostituierten sind Ausländerinnen. Kinderarbeit, von der die Konsumenten in den reichen Ländern profitieren, sind ein weiteres Kapitel, ebenso wie Kindersoldaten, die an Armeen in Afrika verkauft werden. Arlacchis Buch liefert die Informationen zu einem Kampf, den zu führen wir alle aufgerufen sind.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.06.2001

Um Sklavenarbeit und Menschenhandel im Zeichen der Globalisierung geht es in den Büchern des britischen Soziologen Kevin Bales und des italienischen UN-Funktionärs Pino Arlacchi, deren Lektüre Katharina Rutschky nur empfehlen kann - wenn auch der Rezensentin die Studie von Bales wesentlich fundierter erscheint.
1.) Kevin Bales: "Die neue Sklaverei"
27 Millionen Sklaven gibt es heute laut Bales weltweit, berichtet Rutschky, wobei der Autor und Aktivist der ältesten Menschenrechtsorganisation der Welt, der Anti Slavery International, Armut, Kinderarbeit und Prostitution fein von Sexsklaven, Arbeitssklaven und Kindersklaven unterscheidet und nicht in diese Zahl miteinbezieht, so die Rezensentin. Jeden einzelnen im Buch vorgestellten Fall hat der Autor selbst recherchiert. Nicht nur das allein findet Rutschky beeindruckend, sondern auch, dass Bales es nicht dabei belässt, mit Fallgeschichten an das Gutmenschentum in der 1. Welt zu appellieren, sondern diese Schicksale mit Zahlen, Fakten, Ortsbeschreibungen, soziologischen, politischen und juristischen Analysen unterlegt. Resolut und aufklärerisch findet Rutschky insgesamt die Studie, die auch Ratschläge für Otto Normalverbraucher, wie man Produkte des modernen Sklavenhandels sinnvoll boykottiert, enthalte.
2.) Pino Arlacchi: "Ware Mensch. Der Skandal des modernen Sklavenhandels."
Nicht ganz so positiv bewertet Rutschky die Studie von Pino Arlacchi. Denn der UN-Beamte hat sich nach Ansicht der Rezensentin wesentlich oberflächlicher mit dem Thema auseinandergesetzt. Das zeige sich allein schon darin, so Rutschky, dass Arlacchi von 200 Millionen Sklaven weltweit spreche, ohne wie Bales zwischen Sklavenarbeit und gering entlohnter Arbeit zu unterscheiden. Arlacchis Umgang mit Zahlen sei in etwa so großzügig wie sein Appell an das Weltgewissen generell, kritisiert die Rezensentin, wenngleich sie den Autor aber nicht gänzlich dafür verdammen mag. Vielleicht, vermutet Rutschky, trage Arlacchis Übertreibung und deutlich formulierte Empörung dazu bei, die Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit auf das überaus brisante Thema zu lenken. Das wäre ja schon mal was, meint die Rezensentin, empfiehlt aber als quasi weiterführende Lektüre dann doch Bücher wie das des nüchternen Wissenschaftlers Kevin Bales.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.02.2001

Eine "leidenschaftliche" Anklageschrift gegen die modernen Formen von Sklaverei liegt hier nach Auffassung des Rezensenten Frank Niess vor. Der Autor führe nicht nur detailliert alle heutzutage gebräuchlichen Formen der Sklaverei wie Zwangsprostitution, Zwangsarbeit und Schuldknechtschaft auf und analysiere sie, er verweise zudem auch am Beispiel von Menschenrechtsorganisationen auf Möglichkeiten, "wie man sie bekämpfen kann". Nach dieser kurzen Rezension kann man sicherlich mit dem Rezensenten davon überzeugt sein, dass die Sache der modernen Sklaven in den richtigen Händen liegt.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 16.11.2000

Andrea Böhm begrüßt das Buch des Experten für organisierte Kriminalität und stellvertretenden Generalsekretärs des UNO, Pino Arlacchi, schon deshalb, weil es über die moderne Sklaverei wenig Bücher gibt. Arlacchi geht weder investigativ vor, noch schreibt er ein Opferporträt, so Böhm, sondern er legt Handelswege und Gewinnstrukturen offen. Sein "ökonomischer Jargon" erzeugt den Schrecken, den ein Betroffenheitsduktus verhindert, lobt Böhm, findet die Darstellung aber "manchmal zu hastig und zu kursorisch". Außerdem erfahre man nicht, wer die "Ware" nachfragt, obwohl hier die Dinge offener lägen. Als Recherche aus dem (russischen) Untergrund empfiehlt Böhm den Report Crime&Servitude vom Global Survival Network.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 30.09.2000

Der Autor war früher Mitstreiter eines inzwischen ermordeten Anti-Mafia-Richters in Italien und ist heute als stellvertretender Generalsekretär der Uno für internationale Verbrechensbekämpfung zuständig, schreibt Conradin Wolf. Er legt in diesem Buch Daten, Fakten und Analysen vor, die das Wesen der historischen und heutigen Sklaverei beleuchten. Dabei geht er "präzis" und umfassend vor, meint Wolf, und hebt besonders die Thesen des Autors vom "sozialen Tod" der von Menschenhandel und Zwangsarbeit betroffenen Menschen hervor. Dieser soziale Tod hat vor allem mit der geografischen Entwurzelung der Betroffenen zu tun, die von den Profiteuren der Sklaverei immer schon gezielt eingesetzt wurde. Das gilt für die Verschleppung der Afrikaner nach Nord- und Südamerika und die britische "indentured Labour" von Indern in Afrika bzw. Afrikanern in der Karibik ebenso wie die vielen zur Prostitution gezwungenen Frauen im heutigen Europa aus Asien und Osteuropa; tatsächlich gilt ein besonders umfangreicher Teil des Buches dem Phänomen der Zwangsprostitution von Frauen und Kindern, schreibt der Rezensent. Eine weitere These des Autors ist, so Conrad, dass der unregulierte Freihandel entgegen anderslautenden Gerüchten nicht Feind sondern Bedingung von Sklaverei war und ist. Hierzu hätte sich der Rezensent mehr erkenntnistheoretische Ausführungen zur "wirtschaftsphilosophischen Ideologie des Neoliberalismus" gewünscht, ist jedoch mit seiner ausführlichen Besprechung ganz entschieden auf der Seite des Autors, der, wie Conrad schreibt, den von ihm beschriebenen Zustand aus einer deutlichen ethisch-moralischen Haltung kommentiert.
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