Pierre Guyotat

Eden Eden Eden

Roman
Cover: Eden Eden Eden
Diaphanes Verlag, Zürich 2015
ISBN 9783037345313
Gebunden, 336 Seiten, 29,95 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Holger Fock. Mit Nachworten von Michel Leiris, Roland Barthes und Philippe Sollers. Pierre Guyotat vertritt eine literarische Extremposition, für die es kein Beispiel gibt. Sein zweites großes Erzählwerk "Eden, Eden, Eden" entstand 1970 und wurde sofort nach seiner Veröffentlichung als pornographisch verboten. Obwohl sich namhafte Intellektuelle für das Buch einsetzten, wurde der Bann erst 1981 unter Mitterrand wieder aufgehoben. In buchstäblich einem einzigen Satz entfaltet sich eine wüstenhafte, apokalyptische Kriegslandschaft irgendeines unbeendbaren Bürgerkriegs ohne jegliche Moral (und also auch ohne das Böse). Jede Handlung geht unter im Ineinanderfließen von Mikroerzählungen, in denen Frauen, Kinder, Tiere, Männer, Junge, Alte, Soldaten, Huren multiplen Obszönitäten, Vergewaltigungen, Morden unterworfen sind. All das findet in einer triumphierenden Sprache seine literarische Form, die nicht zwischen Gewalt und Lust, Schönheit und Grausamkeit, Mensch und Tier trennt und in der die Frage nach Opfern und Tätern ebenso demonstrativ wie schockierend unwichtig ist.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.08.2016

Matthias Hennig bleibt gänzlich ungerührt von Pierre Guyotats "Ekel-Litanei". Was 1970 noch die Zensoren beschäftigte, kann heute nicht mehr überzeugen, meint er. 309 Seiten ohne Punkt, dafür mit geschätzten 1000 Erektionen, die schier endlose Reihung des Hässlichen und Anstößigen, Onanie und Sodomie, Blut, Schmutz, Schweiß und Sperma verursachen bei ihm keine Vibrationen, nur Gähnen und die Frage, ob so eine Höllenvision des Christentums bei Meister Bosch nicht toller zu haben ist.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.02.2016

Niklas Bender gibt offen zu, dass ihm Pierre Guyotats erstmals 1970 erschienenes, dann verbotenes Buch keine Freude gemacht hat. Eingeschlafen ist er! Und das, obgleich er das Skandalöse des Textes, seine formale Unabgeschlossenheit, seine inhaltliche Beschränkung auf Kot, Samen, Schweiß und Blut, eine einzige Abfolge von Kopulationen, durchaus als kühnes Gedankenexperiment anerkennt. Als Literatur eignet sich das bei aller Drastik nicht, meint er. Und zwar, da der Autor die Entsubjektivierung ins Extrem treibt, die Figuren buchstäblich entleert und alles in einer Art kosmischen Vereinigung auf- beziehungsweise untergehen lässt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 17.08.2015

Zeit für einen Radikalen, findet Ina Hartwig. Pierre Guyotats Skandalroman von 1970, geliebt und verteidigt von der französischen Intelligenz, gehasst von den Konservativen, endlich auf Deutsch. Endlich! Obwohl Hartwig darin immer noch ein Wagnis erblickt, allerdings eher in Bezug auf die Gewohnheiten der Leser, die hier mit einem Textstrom ohne Halt, dafür mit jeder Menge Blut und Sperma, Gestank und Exkrementen konfrontiert werden, wie Hartwig warnt. Genial findet sie nicht nur den Titel, notwendig der Überschreitung, deren französische Tradition der Text feiert. Interessant aber erscheint ihr Guyotats These, wonach sich die Dritte Welt vor allem in der Sexualität zu erkennen gibt. Das Algerien von 1962, wie es der Roman laut Hartwig stets nah an der Schmerzgrenze zeichnet, wird zum Ort für Fantasien und Zwangsvorstellungen. Dass Guyotat keine seiner vielen Figuren psychologisch deutet noch moralisch verurteilt, steht für Hartwig gleichfalls für seine Radikalität.
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