Aus dem Französischen von Nicola Denis. Das Reich des Guten entsteht da, wo nicht mehr das kritische Denken und Handeln des Einzelnen gefragt sind, sondern alles für alle per Gesetz verordnet wird. Mit ihm zieht eine Zeit herauf, in der jede Interaktion und jeder Gedanke reglementiert sein werden - und in der kein Platz mehr für individuelle Haltungen, für Geschmäcker und Vorlieben ist, in der nicht mehr an unpassender Stelle gelacht, eine Zigarette zu viel geraucht oder ein Glas Wein über den Durst getrunken werden wird. Das Böse, das Schmutzige und das Ungesunde werden im Reich des Guten ausradiert und die Sehnsucht nach Eindeutigkeit wird verwirklicht. Die Welt wird so zu "Cordicopolis" - jenem Ort, an dem die Regungen des Herzens als Wohlfühlimperativ des Glücks regieren. 1991 erschienen - und damit zwei Jahre vor Botho Strauß' skandalträchtigem Essay "Anschwellender Bocksgesang", der ebenfalls eine konservative Kritik der Moderne darstellte -, nimmt Philippe Muray in erstaunlicher Weise unsere Gegenwart vorweg.
Rezensent Benjamin Loy staunt nicht schlecht, wie gut Philippe Muray in diesem nun von Nicola Denis "pointiert" übersetztem Essay von 1991 unsere kulturkämpferische, globalisierte Gegenwart brillant wie ätzend beschreibt und voraussieht. Der Leser kann den "Meisterpolemiker" mit tiefer Verwurzelung in der französischen Tradition nicht so sehr beim Flüchten in eine idealisierte Vergangenheit erleben, meint Loy, sondern dabei, wie der Autor den kritischen Disput einfordert, stilistisch radikal, metaphernböse.
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