Aus dem Französischen von Claudia Hamm. In den Statistiken ein schwarzes Loch, besessen von Abstiegsängsten und Wohnstrategien, mit einem ausschließlich materialistischen Verständnis von Kultur, einer entpolitisierten Sicht auf Politik, einer absurden Zahlenversessenheit, einem erotischen Verhältnis zum Ressentiment, nicht aber zur Selbstkritik ist die Mittelklasse eine unzuverlässige Größe. Wie kommt es dann, dass sich diese wunderliche, zur Revolte unfähige Bevölkerungsschicht selbst als Norm betrachtet und andere als anormal abstempelt? Sind die Mittelklassen die wahren Feinde der Demokratie?
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.04.2018
Rezensent Stephan Speicher kann Nathalie Quintanes Essay nicht ganz ernst nehmen. Eine soziologische These liefert sie ihm nicht. Lustig findet er den Text dennoch, stilistisch gut kalkuliert in seinem linken (nicht marxistischen) Furor. Empörung über Ungleichheit ist ja auch angesagt, meint Speicher. Die "offensive Wurstigkeit" der Autorin, die die Mittelklasse eher kulturell als ökonomisch betrachtet und ihr moralisches Versagen beklagt, wie Speicher erklärt, führt zu fehlendem Realitätsbezug, moniert er.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 09.04.2018
Gustav Seibt erfreut sich nicht nur am Fototeil des Bandes von Nathalie Quintane. Die Autorin liefert Literatur, nicht Soziologie, meint er. Auf eine Begriffsdefinition zum Thema Mittelklasse muss er entsprechend lange bis zum Ende des Buches warten. Doch zuvor unterhält er sich prima mit einem vernichtenden Zeitpanorama aus den Einfamilienhäusern der "classes moyennes", karikaturistisch im Stil Baudelaires, hasserfüllt, gnadenlos. Der deutsche Leser müsse vergleichend lesen, rät Seibt, etwa angeleitet durch Max Goldt.
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