Aus dem Französischen von Nicola Denis. Louis-Ferdinand Céline, eigentlich Destouches (1894 1961), veröffentlichte 1932 seinen berühmten Roman "Reise ans Ende der Nacht". Nach einer Reise in die Sowjetunion 1936 veröffentlichte er antisemitische Pamphlete. 1944 floh er aus Frankreich und wurde in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Als er 1952 Amnestie erhielt, kehrte er zurück und ließ sich als Armenarzt in Meudon nieder. Philippe Muray (1945 2006), französischer Essayist und Romancier, gilt heute als einer der einflussreichsten Denker seiner Generation. 1981 erschien "Céline" erstmals, und wurde seither vielfach wiederaufgelegt. Philippe Muray, in Deutschland noch völlig unbekannt, in Frankreich in den letzten Jahren zu einem Kultautor avanciert, hat in diesem literarischen Langessay einen so umstrittenen wie gewichtigen Beitrag zu Leben und Werk des infernalischen Louis-Ferdinand Céline geschrieben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 27.11.2012
Das Buch sei keine Einführung in das Werk Célines, warnt Joseph Hanimann den Leser. Dafür, meint er, trete der Autor inhaltlich und auch stilistisch viel zu exzentrisch auf. Philippe Murays beachtenswerter Versuch, wie Hanimann findet, in seiner Studie über Céline das Original gleichsam nachzubilden, scheint Hanimann selbst jedoch weniger zu stören. Der Trick des Rezensenten besteht darin, Céline einfach zu vergessen und das Buch als Porträt einer hypothetischen Figur zu lesen, in der sich Genie (der Romane) und Teufel (der Pamphlete) vereinen. So beschert ihm der Band sozusagen durch die Hintertür durchaus wertvolle Einsichten über Célines Schreibpraxis.
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