Conrad Ferdinand Meyer
Schatten eines Jahrhunderts. Biografie

Wallstein Verlag, Göttingen 2025
ISBN
9783835358560
Gebunden, 543 Seiten, 38,00
EUR
Klappentext
Philipp Theisohn erzählt die Lebensgeschichte C.F. Meyers neu - als Roman einer Epoche, ihrer Sehnsüchte und Ängste. Das Bild, das uns von C.F. Meyer, dem ersten modernen Lyriker deutscher Sprache, geblieben ist, wird durchzogen von Widersprüchen. Hier der realistische Novellist, der versierte Poet, der Nationaldichter. Dort der dekadente Zögling des Zürcher Patriziats, der fromme Sonderling, nicht nur in seinem Konservatismus ein Antipode Gottfried Kellers. Hinter den Masken des Ruhms, schlimmer noch, ein missverstandener Bruder und missratener Sohn, ein kranker Mann, ein Irrenhäusler.Vielleicht ist die Zeit für eine weitere, für eine letzte Erzählung gekommen: Die Erzählung einer literarischen Existenz, die vierzig Jahre lang ohne Werk bleibt, um dann sogleich wieder hinter den Texten zu verschwinden, den eigenen wie den fremden. Die Erzählung einer Krankheit, die sich von Zeile zu Zeile ausbreitet, eine ganze Schreibgemeinschaft befällt und ihre Sinne verdunkelt. Eine Biographie, die uns das 19. Jahrhundert neu verstehen lässt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.11.2025
Einen faszinierenden Autor stellt Philipp Theison auf faszinierende Art vor, so Rezensent Thomas Steinfeld. Conrad Ferdinand Meyer war im späten 19. Jahrhundert ein Literaturstar, spezialisiert war er auf Romane und auch Gedichte mit historischen Themen. Er wuchs in einer reichen Schweizer Familie auf und wurde von seiner Mutter tyrannisiert, teils schien er wenige Kontakte außerhalb seiner Familie gehabt zu haben, lediglich knapp zwei Jahrzehnte lang führte er, nachdem er selbst heiratete, ein einigermaßen geregeltes bürgerliches Leben, bevor er in Heilanstalten und Einsamkeit endete. Was nun das literarische Werk betrifft, so Theisons Analyse, so orientierte sich Meyers Fiktion eng an der Geschichtswissenschaft - vor allem jedoch unternahm der Autor nie den Versuch, die Vergangenheit mit seiner Gegenwart in Verbindung zu setzen, vielmehr bleibt sie etwas unwiederbringlich Vergangenes, Unerreichbares. Eben diese Qualitäten scheinen Steinfeld zu imponieren und Theison arbeitet sie in seinem durchaus anspruchsvollen, tiefgründigen, lebendig geschriebenen Buch heraus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2025
Rezensentin Pia Reinacher lobt Philipp Theisohns Biografie über Conrad Ferdinand Meyer ihres mühsam recherchierten Materialreichtums und Theisohns Ansatzes wegen, Meyers Leben und Schaffen vor dem Hintergrund der Zürcher Lokalpolitik und der Historie des 19. Jahrhunderts auszubreiten. Was Reinacher vermisst, sind Synthesen, die dem Leser die Lektüre erleichtern. Stattdessen springt der Autor auch noch in der Chronologie munter umher, erklärt die Rezensentin. Dennoch: Den familiären "Generalkonflikt" von Meyers Leben und seine von Erfolg und Misserfolgen geprägte literarische Karriere arbeitet Theisohn "akribisch" heraus und stellt sie plastisch vor den Leser hin, so Reinacher begeistert.
Rezensionsnotiz zu
Die Welt, 10.10.2025
Zum 200. Geburtstag von Conrad Ferdinand Meyer liest Rezensent Matthias Heine Philipp Theisohns Biografie des Schweizer Schriftstellers. Freud hätte seine Freude daran, glaubt Heine, der Theisohns Buch schon als Standardwerk handelt, das Meyers Werke noch spannender interpretiert als es sein an Aufs und Abs und Familiendramen reiches Leben spannend beschreibt. Am Grund der Werke aber legt der Autor die Seelenzustände ihres Schöpfers frei, so Heine begeistert.
Rezensionsnotiz zu
Deutschlandfunk Kultur, 09.08.2025
Rezensent Marko Martin taucht begeistert in die umfangreiche Biografie ein, die der Zürcher Germanist Philipp Theisohn dem heute wohl fast nur noch aus Anthologien bekannten Schweizer Schriftsteller Conrad Ferdinand Meyer widmet. Er lernt, dass er von Sigmund Freud ebenso gelesen und geschätzt wurde wie von Hugo von Hofmannsthal und dass sogar Wolf Wondratscheck und Martin Suter Skripte zu Filmen geschrieben haben, die auf seinen Texten beruhen. Ohne in "Ordinarius-Prosa" abzutauchen, vermittle Theisohn ein Dichterleben, das von psychischen Zusammenbrüchen, dem Tod des Vaters, dem Suizid der Mutter, dem fast symbiotischen Verhältnis zur Schwester und einer Schweiz im Umbruch geprägt sei. Der Kritiker lobt, dass sich der Verfasser mit eindeutigen Urteilen zurückhält und stattdessen ermöglicht, dass wir die Uneindeutigkeiten von Meyers "faszinierend-verstörender Sprach-Artistik" selbst kennenlernen dürfen.