Herausgegeben vom Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der ehemaligen DDR. Die Fotografie galt im Ministerium für Staatssicherheit als "wichtige Waffe", die von den MfS-Mitarbeitern in vielfältiger Weise eingesetzt wurde. Wenn sie Oppositionelle beschatteten, Flucht- und Protestaktionen untersuchten, Dienstgebäude, Straßen und Plätze überwachten, ihre eigene Arbeit oder gemeinsame Aktivitäten dokumentierten - der Griff zur Kamera war oft Teil ihres Auftrags. Wohl weit mehr als zwei Millionen Fotografien, darunter auch beschlagnahmte Aufnahmen, bilden das visuelle, bis heute kaum erforschte Erbe des MfS. Der Bildband gewährt Einblicke in die Bilderwelt der Staatssicherheit, analysiert Entstehung und Funktion der Fotografien im Repressionssystem des MfS, stellt einzelne Fotografen vor und präsentiert unerwartete Blicke auf den Alltag in der DDR.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 05.10.2020
Einen "Bildband" hat der Autor aus dieser Sammlung von Stasi-Fotos gemacht, und das findet Annette Vowinckel sehr gut. Denn so erstickt man nicht an den vielen klugen Erklärungen von Kontext und Funktion der hier versammelten Bilder, die aber durchaus in einem gesonderten Text zu finden sind. Allerdings ist die Rezensentin Annette Vowinckel, selbst Leiterin der Abteilung Mediengeschichte im Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam, nicht zufrieden damit, dass die DDR-typischen Kürzel für Institutionen und Vorgänge, anfangs zwar kurz erklärt, im Text aber immer weiter benutzt werden. Und auch das Selbstlob des Herausgebers gefällt ihr nicht sonderlich. Dennoch findet Vowinckel dies eine gelungene Arbeit sowohl zur Fotografie- wie auch zur Diktaturgeschichte und eine notwendige Ergänzung zur visuellen Erinnerung, die höchst aussagekräftig den kontrollierenden Blick der Überwachungsgesellschaft dokumentiert.
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