Sowohl für die NATO als auch für die Bundeswehr stellte die International Security Assistance Force (ISAF) in Afghanistan den intensivsten und verlustreichsten Einsatz ihrer Geschichte dar. Über die genaue Praxis dieser vielfach als problematisch gesehenen militärischen Mission ist jedoch wenig bekannt. Philipp Münch untersucht erstmals auf breiter Quellenbasis und in historischer Perspektive die Handlungslogik der Bundeswehr in Afghanistan, ebenso die relevanten politischen Entscheidungen. Er analysiert eingehend, wie die Verantwortlichen den Auslandseinsatz strategisch und operativ planten, wie sie mit afghanischen Machthabern umgingen, wie das Nachrichtenwesen funktionierte und wie die Bundeswehr Gewalt anwendete. Die Ergebnisse werden eingebettet in eine Untersuchung der lokalen afghanischen Verhältnisse, unter denen die Bundeswehr agierte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.06.2016
Hans-Dieter Wichter erhält mit dem Buch des Historikers Philipp Münch eine wissenschaftlich fundierte, brauchbare Erklärung für das Scheitern der deutschen Afghanistan-Politik. Für Wichter keine Kleinigkeit. Dass Münch sich die Mühe macht, die Logik der Bundeswehr mit dem Habitusbegriff Bourdieus zu analysieren, ist laut Wichter ertragreich. Der Autor kann die unterschiedlichen, miteinander kollidierenden Prägungen von militärischen Führungspersonen einerseits und den Kampftruppen andererseits darlegen, so Wichter, und die Folgen skizzieren. Münchs Schluss, dass die Afghanistanpolitik aufgrund falscher Voraussetzungen von Anbeginn zum Scheitern verurteilt war, kann der Rezensent gut nachvollziehen.
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