Wolf Gregis

Das Karfreitagsgefecht

Deutsche Soldaten im Feuer der Taliban
Cover: Das Karfreitagsgefecht
Econ Verlag, Berlin 2025
ISBN 9783430211178
Gebunden, 304 Seiten, 24,99 EUR

Klappentext

Das bekannteste Gefecht in der Geschichte der Bundeswehr fand am Karfreitag, dem 2. April 2010 bei Kunduz statt. Deutsche Soldaten gerieten in einen Hinterhalt und kämpften mehr als acht Stunden gegen eine Überzahl von Taliban. Drei Soldaten fielen, fünf wurden verwundet, sechs afghanische Soldaten kamen durch "friendly fire" der Deutschen ums Leben. Zwei Tage später benutzte der damalige Verteidigungsminister Guttenberg zum ersten Mal die Worte "Krieg in Afghanistan".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 21.07.2025

Rezensent Joachim Käppner zeigt sich beeindruckt von Wolf Gregis' Buch über das Karfreitagsgefecht, einer kriegerischen Episode im Afghanistankrieg, bei der unter anderem drei Bundeswehrsoldaten starben. Minutiös rekonstruiert Gregis den Verlauf des damaligen Gefechts: Es begann damit, dass deutschen Soldaten von einem Kommandanten befohlen wurde, eine Drohne zu bergen, die sich in der Nähe eines von den Taliban kontrollierten Dorfes befand - am Ende fand sich der Spähtrupp umzingelt von Taliban unter schwerem Beschuss. Wie konnte das passieren? Der Rezensent stellt klar, dass es dem Autor nicht primär um Schuldzuweisungen geht, er aber deutlich zeigt, dass die Kämpfe auch deshalb derart blutig endeten, weil die politisch Verantwortlichen den Einsatz als eine "Art leicht bewaffnete Entwicklungshilfe" verharmlosten. Auch die psychischen Folgen, unter denen die traumatisierten, überlebenden Soldaten leiden, werden laut Käppner thematisiert. Heroisiert werden die Soldaten vom Autor jedoch nicht, das ist dem Kritiker wichtig, der außerdem der Ansicht ist: Wer dieses starke Buch - wie es bei Deutschlandfunk Kultur nahegelegt wurde - als Landserliteratur verunglimpft, hat etwas grundsätzlich nicht verstanden.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 22.05.2025

Ein Buch mit Schwächen, dessen Lektüre sich gleichwohl lohnt: So beschreibt Markus Pöhlmann Wolf Gregis' Buch über das sogenannte Karfreitagsgebet, eine Schlacht in Afghanistan, in deren Verlauf drei Bundeswehrsoldaten - und eine Reihe weiterer Kämpfer - ihr Leben verloren. Gregis, der tatsächlich anders heißt und selbst Afghanistan-Veteran ist, tritt als auktorialer Erzähler auf, erfahren wir, er legt den Figuren also Worte in den Mund und Gedanken in den Kopf, insgesamt ist diese Technik effektiv, auch wenn sie manchmal in Richtung Trivialliteratur tendiert. Die Stärke des Buches liegt in Gregis' Kenntnis der Materie, findet Pöhlmann: Wir erfahren, wie wichtig die richtige Ausbildung für Soldaten ist oder wie Waffen funktionieren, auch die emotionsreiche Schilderung der Kämpfe überzeugt den Kritiker. Ob tatsächlich, wie das Buch nahelegt, eine aus einer Konkurrenzsituation entstandene übergroße Leistungsmotivation der Soldaten Schuld an dem ungünstig verlaufenen Gefecht war, kann Pöhlmann mangels eindeutiger Aufarbeitung der Geschehnisse ebensowenig beurteilen wie den Wahrheitsgehalt der hier aufgestellten Behauptung, dass der tatsächliche Gefechtsanlass ein anderer war als offiziell berichtet. Jedenfalls ist dieses Buch nicht nur ein guter, auf Interviews mit Beteiligten beruhender Erfahrungsbericht von der Front, sondern in Teilen auch politisch brisant, schließt Pöhlmann.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.04.2025

Rezensent und Jurist Oliver Tolmein findet es wichtig, dass in Zeiten der Diskussionen um die "Kriegstüchtigkeit" Deutschlands auch Wissensdefizite in diesem Bereich ausgeglichen werden. Einen solchen Beitrag leistet für ihn das Buch von Wolf Gregis, einst selbst Bundeswehroffizier in Afghanistan und heute Lehrer und Bildungswissenschaftler, der hier einen spezifischen Fall aus der Innenperspektive heraus beleuchtet: Es geht um einen Bundeswehreinsatz am 2. April 2010, einem Karfreitag, der eigentlich nur die Suche nach einer abgestürzten Drohne war, allerdings in einem gefährlichen Gebiet, weshalb die Soldaten unter starken Beschuss durch die Taliban gerieten und der Einsatz unvermittelt zu einer Katastrophe mit 3 Toten und 8 Verletzten wurde. Wie der Autor sich in seinem "sorgfältig recherchierten" Buch ganz auf die Perspektive der deutschen Soldaten konzentriert, dadurch wertvolle Inneneinblicke liefert und an einem Bild von Soldaten arbeitet, dass diese auch Kämpfer sein lässt, ohne die "guten Gründe" für die eher gegenläufige Idee des "Staatsbürgers in Uniform" zu vergessen, findet der Kritiker sinnvoll und lobenswert.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk Kultur, 17.03.2025

Schon auch ein wenig skeptisch, aber insgesamt positiv bespricht Rezensentin Nana Brink Wolf Gregis' Buch, das sich mit der als "Karfreitagsgefecht" bezeichneten Schlacht befasst, bei der im April 2010 drei Bundeswehrsoldaten getötet und mehrere andere verletzt wurden. Das Buch rekonstruiert mithilfe von Gesprächen mit Überlebenden den Hergang der Kämpfe in Kundus sehr detailliert und, wie Brink darstellt, aus der Perspektive der Beteiligten. Gregis möchte mit diesem Buch einen Beitrag zur Traditionspflege der Bundeswehr leisten, wobei die Rezensentin sich fragt, ob hier nicht doch ein Schreiben im Stil der Landserliteratur wiederauflebt. Auch ist sich die Brink nicht sicher, ob die Behauptung des Autors zutrifft, dass die Schlacht inzwischen zu einem Mythos geworden ist, der nun mithilfe dieses Buches gerade gerückt werden muss. Aber insgesamt ist es natürlich schon wichtig, schließt die Rezension, die realen Kampfhandlungen von ihren fiktionalen Überformungen zu trennen und genau dies tut Gregis hier.

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