Norbert Scheuer

Die Sprache der Vögel

Roman
Cover: Die Sprache der Vögel
C. H. Beck Verlag, München 2015
ISBN 9783406677458
Gebunden, 238 Seiten, 19,95 EUR

Klappentext

Paul Arimond kommt 2003 als Sanitäter der Bundeswehr nach Afghanistan, in ein Land, das schon sein Ururgroßvater einst, auf der Suche nach der Universalsprache der Vögel, wegen seiner reichen Tierwelt bereist hatte. Auch Paul, geplagt von Schuldgefühlen nach einem Autounfall, den er mit verursacht hat, liebt es, Vögel zu beobachten und Aufzeichnungen über sie zu machen. Sie scheinen nach einer anderen Ordnung und mit anderen Freiheiten zu leben. Inmitten einer zunehmend gefährlichen Bedrohungslage beginnt Paul immer unberechenbarer und anarchischer zu handeln. Norbert Scheuers Roman über einen fragilen Vogelliebhaber führt mitten ins Herz der Verstrickungen, aus denen das rätselhafte Leben seiner bewegenden und einzigartigen Figuren besteht.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.03.2015

In der Reihe von Büchern, die seit dem Einsatz deutscher Soldaten in Afghanistan erschienen sind und auf die eine oder andere Weise den Krieg thematisieren, ist der neu erschienene Roman "Die Sprache der Vögel" von Norbert Scheuer sicherlich der einzige, der sich durch eine "naturobsessive Ausrichtung" auszeichnet und "ornithologische Langmut" erfordert, berichtet Iris Radisch, die ähnlich natur- und tierverliebte Zugänge bereits aus früheren Büchern des Autors kennt. Der Sanitäter, dessen Tagebuch Scheuer fingiert, überlebt den Krieg und die afghanische Vogelschau nicht, allgemein tendieren die Männer in diesem Buch zum Sterben, verrät die Rezensentin, der das Buch trotz naturkundlicher Längen gut gefallen zu haben scheint.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 10.03.2015

Katharina Granzin stellt sich den Autor als Vogel vor. Oder doch seine Sprache als Sprache der Vögel. Norbert Scheuers vielschichtigen Roman über den in Afghanistan stationierten Sanitäter und Ornithologen Paul Arimond findet sie eigentlich so schön schlicht erzählt. Dann aber stößt sie auf ein Erzählgefüge, dass nach allen möglichen Seiten hin offen zu scheint, mehrere Handlungsebenen zulässt und Rätsel aufgibt, sodass der Leser aktiv werden muss, wie Granzin schreibt, um die Offenheit des Werks zu füllen und die Ebenen, Kriegskulisse, Vogelsichtungen, tragische Familiengeschichte, Liebesgeschichte miteinander zu verbinden. Dass der Autor das so gewollt hat, daran jedenfalls zweifelt Granzin nicht. Zu präzise scheint ihr Scheuers Sprachkunst.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.03.2015

Das ist neu, meint Sandra Kegel über Norbert Scheuers Versuch, den Krieg in Afghanistan aus einer besonderen Perspektive zu sehen. Nicht Kriegsrealismus aus eingebildeter Erfahrung liegt dem Roman zugrunde, erkennt Kegel, sondern eine verdichtete Geschichte von Menschen und Wiedehopfen, Drongos und Kiebitzen. Dass der Krieg nur noch in vermittelter Form vorkommt, erklärt Kegel, Auslassung und Anverwandlung sind die Techniken des Autors, meint sie. Die Hauptfigur, der Sanitäter Arimond, träumt in seinem Camp also von Turmfalken und dem Sang der Bienenfresser, statt von zerstörten Städten und verletzten Soldaten. Kegel scheint das bemerkens- und lesenswert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 04.03.2015

Vieles kommt Martin Oehlen bekannt vor, wenn Norbert Scheuer in seinem Roman einen Vogelfreund als Soldat nach Afghanistan schickt: die Eifel, der Ausflug in besondere Wissensgebiete, die Lakonie des Erzählens. Hier ist es also der 24-jährige Paul Arimond, der als Sanitäter in den Krieg nach Afghanistan geht, um seinem Leben in der Eifel und vor allem den eigenen Schuldgefühlen zu entkommen. Um die Bodenhaftung zu verlieren, wie Oehlen schreibt, die Sprache der Vögel zu lernen, die Elstern am Hindukusch zu erleben, von denen schon sein Urahn 1776 schwärmte. Zu einem "großen rauschenden Ganzen" fügten sich die einzelnen Kapitel, konstatiert der Rezensent, der allerdings nie ganz mit der Sprache herausrückt, wie er den Roman eigentlich findet.