Für Peter Sloterdijk läßt sich die Frage, wie man in kürzestmöglicher Form den Beitrag des 20. Jahrhunderts zur Geschichte des Zivilisation charakterisieren könnte, durch drei Kriterien beantworten: die Praxis des Terrorismus, das Konzept des Designs und den Umweltgedanken. Durch das erste wurden die Interaktionen zwischen Feinden auf postmilitärische Grundlagen gestellt; durch das zweite gelang dem Funktionalismus der Wiederanschluß an die Wahrnehmungswelt; durch das dritte wurden Lebens- und Erkenntnisphänomene in einer bisher nicht gekannten Tiefe aneinandergeknüpft. Damit ist klar, dass für Peter Sloterdijk das 20. Jahrhundert im April 1915 begann - mit dem ersten Großeinsatz von Chlorgasen der deutschen West-Armeen gegen französische Infanteriestellungen. In seinem Essay verfolgt Peter Sloterdijk, wie sich die Praxix des Terrors, des staatlichen wie des nichtstaatlichen, im Laufe des 20. Jahrhunderts veränderte.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 20.03.2002
Eine Raumrevolution eigener Art nimmt Peter Sloterdijk in seinem Essay in den Blick: die durch moderne Waffen, anfänglich vor allem: durch Gas, geschaffene Möglichkeit des gegen das Individuum über den Umweg seiner Umwelt geführten Krieges. Der Begriff, den Sloterdijk dafür aus dem Ärmel schüttelt: "Atmoterrorismus". Als aufs große Ganze ausgeweitete Zeitdiagnose heißt das dann: "Prozess der Moderne als Atmosphärenexplikation" (Explikation ist Sloterdijks etwas merkwürdiger terminus technicus für diese Revolution.) Christoph Asendorf setzt den von Sloterdijk analysierten Prozess in Bezug zu der schon im Zweiten Weltkrieg von Carl Schmitt in "Land und Meer" beschriebenen Raumrevolution, ohne doch Sloterdijk die Originalität ganz absprechen zu wollen. Mehr Probleme hat er aber mit dem Versuch des Philosophen, ähnliche Prozesse in den surrealistischen Attacken moderner Künstler auszumachen. Dem abschließenden Appell Sloterdijks für ein "Innehalten", für das Entwickeln von "Immunsystemen" kann sich Asendorf dagegen wieder recht vorbehaltlos anschließen.
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