Aus dem Englischen von Klaus-Dieter Schmidt. Die Versuche, unsere Meinung zu manipulieren, sind außer Kontrolle geraten. Hacker, Bots, Trolle, Putin, der IS oder Trump - sie alle wollen nicht einfach nur "alternative Fakten" in die Welt setzen, sie sind vielmehr dabei, unsere Realität zu verändern. Peter Pomerantsev nimmt uns mit an die Front des Desinformationskrieges, der inzwischen überall auf der Welt tobt. Er trifft Twitter-Revolutionäre und Pop-up-Populisten, Islamisten und Identitäre, die aus der Zertrümmerung von Ideen wie "wahr" und "falsch" ihren Nutzen ziehen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 28.09.2020
Rezensent Jannis Brühl liest diesen Reportageband des britischen Autors Peter Pomerantsev als Ergänzung zu Thomas Rids bisher nur auf Englisch erschienenen Geschichte der Desinformation. Pomerantsev führt ihn in die Hochburgen des politischen Cybermobbing, nach Mexiko, in die Ukraine und auf die Philippinen, von wo aus Trollfabriken und Shitstorm-Truppen politische Gegner oder Journalisten ins Visier nehmen. Dass Pomerantsev immer wieder und sehr ausführlich an die Erfahrungen seines Vaters in sowjetischen Verhörräumen erinnert, geht zwar ein wenig auf Kosten der aktuellen Lageanalyse, bedauert Rezensent Brühl. Aber am Ende leuchtet ihm ein, dass die Zersetzungstechniken, die heute in den Sozialen Medien angewandt werden, in den Bürokratien der sowjetischen Geheimdienste ersonnen wurden.
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