Zerstört das Sterben der alten Medien unsere Bildung und unsere Kultur? Markus Reiter spricht von der "dritten Medienrevolution" der Menschheitsgeschichte, durch die die Verlässlichkeit unserer Informationen und unsere Kommunikationsformen radikal verändert werden. Statt seriöser Information erwartet uns ein unendlicher Haufen "Blödsinn", in dem nur schwer die Perlen zu finden sind. Markus Reiters neues Buch ist ein Loblied auf die Tugenden der alten Medien und ein Nachdenken darüber, wie diese Tugenden in die neue digitale Welt gerettet werden können. Das Internet bietet großartige Chancen, die Unzulänglichkeiten der alten Medien zu verbessern. "Das geht aber nur, wenn die alten Tugenden nicht von neuen Untugenden abgelöst werden."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 19.04.2010
Sehr gelegen kommt dem Rezensenten Thomas Thiel dieses Antiblogger-Buch von Markus Reiter, früher Redakteur bei der FAZ und Reader's Digest. Wie der Rezensent den Inhalt recht grob umreißt, haben für Reiter Blogs den Reiz des Neuen eingebüßt und wenig zu bieten außer Meinung, einen "naiven Demokratiebegriff und fehlende Gewinnaussichten. Auch hat Thiel dem Buch entnommen, dass das Internet nicht einmal den im herrschenden Mediendiskurs Unterrepräsentierten zu einer Stimme verhilft, sondern allenfalls den ehrgeizigen Mittelschichtlern, was sich der FAZ-Rezensent offenbar anders erhofft hat. Die im Untertitel beschworene Gefahr erklärt der Rezensent in zweierlei Hinsicht: Zum einen werde die dem Internet offenbar eignende "Aushöhlung des Urheberrechts" eine "Bildungserosion" zur Folge haben, denn mit der ganzen Schnipselkultur würden die Fähigkeit minimiert, "Größeres zu schaffen"; zum anderen werde sich die Mediensphäre in "kostenpflichtige Qualität" und den "benommenen Rest" aufteilen.
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