Peter Heather

Invasion der Barbaren

Die Entstehung Europas im ersten Jahrtausend nach Christus
Cover: Invasion der Barbaren
Klett-Cotta Verlag, Stuttgart 2011
ISBN 9783608946529
Gebunden, 683 Seiten, 39,95 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Bernhard Jendricke, Rita Seuß und Thomas Wollermann. Spätrömische Dekadenz und plündernde Vandalen: so lauten die Klischees über die sogenannte Völkerwanderungszeit. Doch wie entstand im ersten Jahrtausend aus dem hochentwickelten römischen Süden und dem barbarischen Norden die neue kulturelle Einheit Europa? Um Christi Geburt war Europa zweigeteilt in den hochentwickelten Süden der Mittelmeerkulturen und den unentwickelten Norden germanisch und slawisch sprechender Stammeskulturen. Diese kannten weder die Schrift noch den steinernen Siedlungsbau, ein stehendes Heer oder die Geldwirtschaft, geschweige denn Städte mit Feuerwehr und Müllabfuhr.
Wie konnte der "Ansturm der Barbaren" dem römischen Imperium den Todesstoß versetzen? Peter Heather stellt diese alte Frage im Licht der Erkenntnisse zur Ethnogenese und der modernen Migrationsforschung neu. Vom Hunnensturm bis zu den Wikingern untersucht er die Dynamik der europäischen Wanderungsbewegungen. Die sozialen und wirtschaftlichen Wechselwirkungen zwischen beiden Kulturräumen veränderten diese von Grund auf und ließen sie langfristig zu einer neuen kulturellen Einheit werden: dem Europa, das wir in weiterentwickelter Form noch heute kennen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.10.2011

Stefan Rebenich ist überzeugt, dass dieses Buch ein großer Wurf ist, epochemachend zum Verständnis der Verwandlung Europas im ersten Jahrtausend. Als Gründe gibt er einerseits Peter Heathers theoretisches Reflexionsvermögen an, das die völkisch konnotierte Invasionstheorie der nationalen Geschichtsschreibung des 19. Jahrhunderts ad acta legt, den homo migrans in der Spätantike wiederentdeckt und sich dabei stets seiner hypothetischen Konstruktionen bewusst bleibt. Andererseits begeistert ihn die epische Darstellungsweise des Historikers, die ihn nicht zuletzt den Bezug zu den Migrationsbewegungen der Gegenwart spürbar macht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 04.04.2011

Großen Eindruck hat Peter Heathers "Invasion der Barbaren" bei Rezensent Gustav Seibt hinterlassen. Überzeugend findet er diese Epoche bei Heather als Abfolge von Migrationen beschrieben, die von Wohlstandsunterschieden ausgelöst wurden. Dabei geht es in seinen Augen nicht nur um Barbareninvasionen, sondern um verschiedene Formen von Wanderungs- und Eroberungsströmen. Seibt charakterisiert das Werk als "epischen Bericht" und zugleich "sozialwissenschaftliche Typologie". Dass die Lektüre nicht nur erhellend, sondern auch anspruchsvoll ist, verschweigt er nicht. Sein Fazit: ein beeindruckendes Panorama der wandernden Menschheit des ersten Jahrtausends.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.03.2011

Beeindruckt zeigt sich Christian Thomas von Peter Heathers "Invasion der Barbaren". In seiner detaillierten Besprechung würdigt er das Buch als "Monumentalwerk über Invasion und Migration" im Europa des 1. Jahrtausends n. Chr. Die kritische Auseinandersetzung des Historikers mit den traditionellen Migrationsmodellen zur Erklärung der "Völkerwanderung" scheint ihm plausibel. Deutlich wird in seinen Augen, dass die Entstehung des modernen Europa keineswegs eine friedliche Angelegenheit war. Faszinierend findet er, wie Heather seine Massen an Stoff bändigt und ein Panorama des Kommens und Gehens in Europa mit all seinen Widersprüchen schafft. Dabei attestiert er dem Autor, packend und prägnant zu schreiben. Allerdings verschweigt er nicht, dass das Buch zugleich höchst komplex und äußerst differenziert ist. Zudem hält er Heather vor, sich immer wieder in Widersprüche zu verstricken.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2011

Wer glaubt, die Völker des mittleren Europa im ersten Jahrtausend nach Christus seien friedlich durch die Gegend gewandert, der täuscht sich. Sehr wohl ging es kriegerisch zu, das weist der Historiker Peter Heather für Andreas Kilbs Begriffe in diesem Band schlüssig nach. Am Rand des römischen Weltreichs hatten zunächst wenig beachtete Gruppen von "barbarischen" Stämmen sich militärisch prächtig entwickelt und zogen, die Goten voran, auf Plünderungszügen durch Europa, auf der Suche nach "Metall, Vieh, urbanem Land". Nicht weniger kriegerisch, so die unter Historiker derzeit unorthodoxe These, trug sich auch die sogenannte "Slawenexpansion" zu. Nicht zuletzt Heathers zentrale Stoßrichtung gegen die "Ethnogenese"-Theorie, die von kulturellen Traditionen als zentralen Motoren der "Volkwerdung" ausgeht, kann den Rezensenten vollends von der Plausibilität des Buches überzeugen.
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