Hoffmann oder Die vielfältige Liebe
Eine Romanze

Kiepenheuer und Witsch Verlag, Köln 2001
ISBN
9783462029703
Gebunden, 254 Seiten, 19,43
EUR
Klappentext
In seinem neuen Roman erzählt Peter Härtling von E.T.A. Hoffmann und dessen Bamberger Jahren, als der vielseitig begabte romantische Künstler Julia, das Urbild seiner Kindfrauen, kennen lernte, um ihr zu verfallen.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 14.06.2001
Nach Erika Geiss ist es dem Autor hier nicht gelungen, E.T.A. Hoffmann wirklich auf die Schliche zu kommen oder auch nur "seinen Sinn für Ironie, seinen Kobolz schlagenden Humor, seinen mörderischen Realismus" zu verstehen. Nach Härtlings Schilderungen könne man geradezu den Eindruck haben, so die Rezensentin, als ob Hoffmann vielmehr ein "trauriger Exzentriker, ein Spießer wider Willen zwischen Sex und Suff" gewesen sei, was dem Hoffmann-Bild der Rezensentin denn doch außerordentlich widerspricht. Darüber hinaus stört sie sich daran, dass Härtling - wie in seinen anderen Büchern auch - mit seinem Helden "auf Duzfuß steht", und das obwohl Hoffman selbst sich ja unter anderem gerade dadurch auszeichnete, dass er "den eigenen Geschöpfen weder unziemlich auf die Pelle rückt noch ihnen irgendwelche 'Anliegen' aufs Auge drückt". Kurz: Nach Geiss wird der Autor dem komplizierten Innenleben Hoffmann nicht wirklich gerecht und bleibt insgesamt in seiner Darstellung zu sehr an der Oberfläche.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.03.2001
Wie schon in seinen vorangegangenen Künstlerromanen, meint Rezensent Wulf Segebrecht, nähert sich Härtling auch diesmal der Künstlerexistenz - diesmal in Gestalt E.T.A. Hoffmanns - an. Doch unter der Hand des Erzählers, der sich und seine Entzifferungsarbeit dem Leser immer wieder in Erinnerung bringe, erweise sich diese Entzifferung zunehmend als Verfremdung und Verrätselung. Das ist wohl nicht immer ein Nachteil des Buches, doch der Rezensent hätte sich an vielen Stellen ein abgerundeteres Bild der härtling'schen Anamnese dieses exzentrischen Künstlers gewünscht. Zum Beispiel eine angemessene Würdigung der beeindruckenden Genauigkeit, mit der Hoffmann seine juristische Arbeit am Berliner Kammergericht erledigte - und mit der er schon die Vorgesetzten erstaunt habe. Diese "gleichsam aufgeklärte Seite" des fantastischen Autors mit den vielen Obsessionen hat dessen Widersprüchlichkeit eher gesteigert als eingeschränkt, findet der Rezensent. Trotzdem scheinen diese Differenzen sich eher an der Auffassung über die Bearbeitung des biografischen Materials festzumachen. Gegen Qualität und Lesbarkeit des Buches scheint es keine Einwände zu geben. Im Gegenteil.
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Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 08.03.2001
Für das mittlerweile sechste Unterfangen, eine literarische Wiederbeatmung ihn prägender Autoren und Persönlichkeiten zu versuchen, zollt Dieter Hildebrandt dem Autor ausführlich Respekt. Er lobt das Vorgehen Härtlings, mit dem er verstorbenen "Doppelnaturen" eine Hand reicht, sie in die Gegenwart holt und von ihrer Zerrissenheit zu erlösen sucht. "Seid umschlungen, ihr Doppelnaturen", fasst er dessen Programm zusammen. Der Rezensent erläutert, wie das von der Biografie Hoffmanns vorgegebene Thema - "die Kleinstadt und die Exzentriker, das Winkeldenken und die Ekstase, die Biederkeit und der Wahnsinn" - im Erzählen von Härtling zu einer symbiotischen Geschichte verschmilzt. Autor und Gegenstand, Härtling und Hoffmann, verbinden sich, und es spricht einer durch den anderen, so Hildebrandt. Weniger als ernstzunehmende Kritik, sondern eher als perfektionistisch anmutender Wunsch ist wohl die abschließende Feststellung Hildebrandts zu werten, dass bei diesem "reizvollen und eleganten Spiel" immer erkenntlich bleibe, dass Härtling die Regeln bestimmt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 03.03.2001
Albert von Schirnding erkennt den "Reiz" des Buches, das E. T. A. Hoffmann zum Protagonisten hat und vor allem dessen Leiden an der Liebe darstellt, in der Musikalität Härtlings, die in seiner Erzählweise zum Ausdruck kommt. Dem Rezensenten gefällt es, dass der Autor nicht versucht, "Hoffmann zu stellen" und er leidet richtig mit, wenn Härtling die "erbärmliche Figur" schildert, die der Dichter und Komponist bei der Verlobungsfeier seiner großen Liebe macht. Der Rezensent bleibt bei seiner Besprechung ganz in musikalischen Kategorien wenn er das Nebeneinander von der Stimme seines Protagonisten Hoffmanns und der Erzählerstimme als "Partitur" beschreibt oder wenn er das ganze Buch eine "Hoffmann-Suite" nennt, und er preist die "übereinstimmende Virtuosität" des Autors mit Hoffmann als besonderen Vorzug der Darstellung.