Jahrelang hat Karl May behauptet, er selbst sei Old Shatterhand: unbesiegbarer Abenteurer, bärenstarker Fährtenleser und Winnetous Blutsbruder. Hunderttausende Leser glauben ihm, obwohl er Sachsen praktisch nie verlassen hat. 1899 aber bricht er zum ersten Mal wirklich in den Orient auf.
Monatelang reist Karl - der angeblich 800 Sprachen spricht, alle Kontinente durchstreift hat und Gegner mit einem Fausthieb niederstreckt - mit dem Reiseführer in der Hand durch den Orient. Doch alles ist ihm eine Enttäuschung. Die Länder, die Sehenswürdigkeiten und am allermeisten der Mann, den auch er für Old Shatterhand gehalten hat: er selbst. Dann aber blasen die Zeitungen daheim zur Jagd auf ihn, und unterwegs muss Karl May plötzlich ein noch größerer Held werden als der, den er immer gegeben hat. Denn vielleicht kann er so noch seinen Ruf retten. Oder zumindest die Welt. Die Geschichte von Karl Mays Orientreise 1899 beruht auf Tatsachen. Und auf alternativen Tatsachen. Und auf Tatsachen, die auf jeden Fall wahrer sind als alles, was Karl May selbst je behauptet hat.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 11.02.2019
Harald Eggebrecht schätzt an Philipp Schwenkes Karl-May-Roman die Fairness und latente Bewunderung des Autors seinem Helden gegenüber. Weniger als biografischen Roman liest Eggebrecht das Buch, denn als Spurensuche der Faszination für den großen sächsischen Fantasten. Staunend in der Haltung, nie verratend, erzählt der Autor laut Rezensent von Mays einziger und dazu missglückter Orientreise 1899 und seiner Ehekrise und deckt die tragische wie komische Größe seines Helden auf unterhaltsame und humorvolle Weise auf. Einzig die Ehepassagen erscheinen Eggebrecht allzu bemüht.
Philipp Schwenke hat die tragischen und lächerlichen Seiten des Phänomens Karl May in seinem Romandebüt gut eingefangen, hält Rezensent Frank Schäfer fest. Laut ihm erzählt der Roman von der Orientreise des alternden May und konfrontiert seinen Helden dabei immer wieder mit Situationen, mit denen Old Shatterhand aka Kara Ben Nemsi vielleicht noch zurechtgekommen wäre, die einen "Schreibtischhengst" aber heillos überfordern. Noch besser hätte dem Rezensenten die einfallsreiche Geschichte im Stil der May-Romane gefallen, wenn Schwenke auf den gelegentlichen Bruch mittels Ironiekeule verzichtet hätte. Dennoch beschreibt Schäfer den Roman als psychologisch einfühlsamen Pageturner.
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