Die intensiv diskutierte ökumenische und systematisch-theologische Frage, ob der Heilige Geist allein aus dem Vater oder auch aus dem Sohn hervorgeht (ex Patre Filioque), wird kirchen- und dogmengeschichtlich analysiert. Ausgehend von der differenzierten Rezeption des Nizäno-Konstantinopolitanums im lateinischen Sprachraum wird nach den Ursprüngen der Filioque-Kontroverse zwischen dem 8. und 12. Jahrhundert gefragt. Dabei werden die pneumatologischen und bekenntnishermeneutischen Differenzen sowie die politischen und ekklesiologischen Rahmenbedingungen dargestellt. Der Streit um das Filioque erweist sich als Schlüssel zu einer theologischen Divergenzbewegung zwischen griechischem Osten und lateinischem Westen, deren Ursprünge bereits in den trinitätstheologischen Grundentscheidungen des 4. Jahrhunderts liegen. Eine "Lösung" der Filioque-Problematik ist daher nicht durch die Streichung eines Wortes zu erreichen, sondern nur im Dialog zweier irreduzibler Ausgestaltungen des trinitarischen Dogmas.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.04.2003
Peter Gemeinhardts Dissertation "Die Filioque-Kontroverse zwischen Ost- und Westkirche im Frühmittelalter" hat Rezensent Wolfram Kinzig rundum überzeugt. Wie Kinzig berichtet, nimmt Gemeinhardt darin unterschiedliche Fassungen des Glaubensbekenntnisses von Nizäa-Konstantinopel von 381 genauer unter die Lupe. So fand sich in lateinischen Versionen die Formulierung, der Geist gehe vom Vater "und vom Sohn" (filioque) aus. Um diesen Zusatz entzündete sich eine heftiger Streit zwischen Ost- und Westkirche. Gemeinhardts Untersuchung verdeutlicht nach Ansicht Kinzigs, dass man mit einer rein dogmen- oder theologiegeschichtlichen Betrachtung des Streits nicht auskomme, sondern in den verschiedenen Stadien der Kontroverse stärker als bisher auch politische und rechtliche Aspekte in den Blick nehmen müsse. Zudem zeige Gemeinhardt, wie das filioque von allen Seiten zur Durchsetzung der eigenen Ansprüche instrumentalisiert wurde. Gemeinhardts Studie ist nach Einschätzung Kinzigs "keine leichte Kost": Es wimmele auf jeder Seite von Verweisen auf Varianten in obskuren Bekenntnisformeln. Um so mehr bewundert Kinzig den Autor für seinen souveränen Umgang mit dem sperrigen Material. "Wer heute an dieser Debatte informiert teilnehmen möchte", resümiert der Rezensent, "für den gehört Gemeinhardts Buch zur Pflichtlektüre."
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