Dass auch Dogmen dem Werden und Wandel nicht entzogen sind, mag für einige skandalös, für andere befreiend klingen. Michael Seewald geht dieser Provokation nach: Er erzählt die Geschichte dogmatischer Entwicklungstheorien, die von den Anfängen des Christentums bis in die Gegenwart reicht. Dabei zeigt sich: Der Spielraum für Veränderung und Reform in der Kirche ist größer als gedacht. Die Kirche war in der Vergangenheit wandlungsfähiger als viele meinen. Warum sollte ihr das nicht auch in der Zukunft gelingen?
Das Buch zeigt die reiche und oft vergessene Tradition dogmatischer Entwicklungstheorien. Es macht deutlich, dass es sich lohnt, diese Ansätze aus der Versenkung hervorzuholen und neu zu beleben.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.01.2019
Helmut Zander vermisst in Michael Seewalds Geschichte des dogmatischen Wandels zwar eine Berücksichtigung der Rolle der Anhänger des Heiligen Geists, doch davon abgesehen findet er das Buch mutig und anregend. Seewalds historisch orientierte Dekonstruktion führt Zander durch die Entwicklung dogmatischen Denkens. Prickelnd ist das vor allem für den an theologischen Finessen interessierten Leser, warnt Zander. Mit den Lehren von Lehmann, Ratzinger, Walter sollte man ein wenig vertraut sein, rät er.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.09.2018
Thomas Marschler lernt mit Michael Seewalds Buch über die Entwicklung kirchlicher Glaubenslehren Dogmatiker als Menschen kennen, die mit der Zeit gehen. Den Zweck von Seewalds Blick in die Vergangenheit erkennt der Rezensent in der Auslotung von Chancen für Reformdiskurse heute. Dass kirchliche Dogmen weder einen "unhintergehbaren Anfang" noch ein fixes Ende haben, kann ihm der Autor vermitteln, indem er mit "sicherer Hand" in einem breiten Aufriss durch die Historie führt. Ausgeblendet werden laut Marschler leider neuere protestantische Theorien zur Dogmengeschichte. Den ein oder anderen voreiligen Schluss kann Marschler in Seewalds Argumentation entdecken, die für ihn auf einen zuversichtlichen Blick in die Reform-Zukunft der katholischen Kirche hinausläuft.
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