Peter Esterhazy

Die Mantel-und-Degen-Version

Einfache Geschichte Komma hundert Seiten
Cover: Die Mantel-und-Degen-Version
Hanser Berlin, Berlin 2015
ISBN 9783446247789
Gebunden, 240 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Ungarischen von Heike Flemming. Was geschieht, wenn Péter Esterházy sich vornimmt, eine einfache Geschichte zu erzählen? Er schreibt einen historischen Roman: Kutschen rauschen, von Spionen verfolgt, durch ein Mitteleuropa avant la lettre - wir befinden uns in den Jahren der Rückeroberung Budas zur Zeit der Türkenherrschaft -, kein noch so geheimes Treffen bleibt unbespitzelt. Denn sowohl Pál Nyáry, der über die Geschicke von Ungarn verhandeln soll, als auch sein Vertrauter, Hauptmannn Mihály Bárány, haben ihre Herzen leichtsinnigerweise der Liebe geöffnet … Natürlich pfeift Esterházy auf das historische Genre und hält sich an die Gegenwart, natürlich nutzt er jede sich bietende Gelegenheit für Abschweifungen voll wunderbarer Einfälle.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 13.08.2015

Für Ilma Rakusa heißt Péter Esterházy zu lesen, Wörter wie eine raffinierte Speise zu kosten. Wie auch anders, wo der Autor auf Chronologie oder nachvollziehbare Handlung und Dialoge doch wenig gibt und er der literarischen Dekonstruktion frönt, wie Rakusa uns wissen lässt. Vor lauter Fußnoten, Mantel- und Degenseligkeit, launigen Bemerkungen und Ausrufen und allerhand Überraschungen und sprachlichen Schichtungen, mal burlesk, mal ernst oder melancholisch, bleibt von der Geschichte aus der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts in Ungarn nicht viel übrig, meint Rakusa. Als Leserin fühlt sie sich allerdings durchaus geschmeichelt, verlangen Autor und Text von ihr doch allerhöchste Aufmerksamkeit und Kombinationsgabe.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 29.05.2015

Ulrich Rüdenauer amüsiert sich köstlich mit Péter Esterházys "Mantel-und-Degen-Version". Der augenzwinkernde Witz des Buches zieht sich bis in das ironische Lächeln des Autors auf dem Umschlag, freut sich der Rezensent. Die "einfache Geschichte Komma hundert Seiten", die der Untertitel verspricht, ist weder einfach noch hundert Seiten lang, verrät Rüdenauer, Personen werden auch gerne einmal aus dem neunzehnten und zwanzigsten Jahrhundert in das barocke Ungarn gepflanzt, in dem die Geschichte doch irgendwie spielt, denn der Protagonist Pál Nyáry spioniert mal die Habsburger, mal die Türken aus, die gerade vor Wien stehen, erklärt der Rezensent. In den Fußnoten widerspricht der Autor gerne auch mal dem eigenen Text und sogar die großartige Übersetzerin Heike Flemming darf dort mitmischen, so Rüdenauer. Am Ende weiß der Rezensent zwar nicht so recht, wer wie wo wen ausspioniert und warum eigentlich, aber das sei ja gar nicht so weit von der Realität entfernt - und irgendwie schafft Esterházy es im Zuge des Buches, eine angemessene Skepsis gegenüber den zentralen Mythen der ungarischen Identität zu vermitteln, lobt Rüdenauer.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 21.03.2015

Tolles Buch, tolle Besprechung von Paul Jandl. Bei Péter Esterházy lernt der Rezensent pralle Sinnlichkeit der Sprache in Verbindung mit fordernder Intertextualität, einer eigenwilligen Deutung der ungarischen Geschichte und einer Moral kennen, der sich der Rezensent nur allzu gerne anschließt: Leidenschaft statt Pathos! Dass Identität eine zweischneidige Sache ist - eh klar bei diesem Autor, meint Jandl. Und dann ist da noch die Familiengeschichte der Esterházys, immer für einen Roman gut, findet Jandl, oder für eine hoch literarische Nationalanthropologie.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.03.2015

In Péter Esterházys "Die Mantel-und-Degen-Version" spielt Zeit kaum eine Rolle, beziehungsweise eine sehr merkwürdige, erklärt Helmut Böttiger, denn die Geschichte hüpft gut gelaunt zwischen der ungarischen Verteidigung gegen die Türken im siebzehnten Jahrhundert und der Gegenwart hin und her, immerhin auch die in Ungarn, so der Rezensent. Esterhazy tue alles, um sämtliche Lesererwartung zu unterlaufen, warnt Böttiger: Pál Nyáry, eine Art Vaterfigur des Autors aus dem siebzehnten Jahrhundert agiert als "Vertrauter, Spitzel und Diplomat" mal in "erkennbaren Ich-Konturen", mal unter recht "albernen" Bekundungen gegenüber der linearen Erzählweise und wirft Assoziationsfäden in jeden Winkel des Werkes, fasst Böttiger etwas irritiert zusammen.
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