Aus dem Englischen von Michaela Grabinger. Istanbul im 16. Jahrhundert. Es ist die Blütezeit des Osmanischen Reichs, die Stadt das wimmelnde Zentrum des Orients, als Jahan auf einem Schiff im Hafen anlegt. Aus dem fernen Indien angereist, führt er einen weißen Elefanten mit sich, ein Geschenk seines Schahs für die Menagerie des Sultanspalasts. So beginnt ein episches Abenteuer, in dem sich der aus ärmlichen Verhältnissen stammende Junge plötzlich im Herzen des mächtigen Reichs wiederfindet, inmitten des Prunks und des Reichtums. Ihm begegnen hinterlistige Höflinge, falsche Freunde, Zigeuner, Tierbändiger und die schöne Prinzessin Mihrimah. Doch es ist die Begegnung mit dem Hofarchitekten Sinan - dem berühmtesten Baumeister der islamischen Welt -, welche Jahans Schicksal für immer verändern wird. Gemeinsam bauen sie Moscheen und Paläste, Mausoleen und Aquädukte, die alle Zeiten überdauern sollen. Doch hinter Jahans neuem Glück lauern Intrigen und Kriege, deren Zerstörungswut größer scheint als alles Bestreben, Neues zu schaffen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.08.2015
Volker Breidecker preist Elif Shafaks historischen Roman als Strandlektüre ohne Durststrecken. Dem sprundelnden Erzählstrom, der epischen Fülle kann er sich in "federleichter" Lektüre hingeben, auch wenn die Geschichte aus dem Istanbul des 16. Jahrhunderts, die die Autorin erzählt, den Höhepunkt der Osmanenherrschaft ohne Zimperlichkeit darstellt, wie Breidecker erläutert. Die Fiktionalisierung authentischer Geschehnisse und Figuren gelingt Shafak laut Rezensent ebenso wie die Einbindung von Politik und Philosophie sowie jeder Menge von der türkischen Historiografie Vernachlässigter, Kurden, Armenier, Juden, Christen, Aleviten etc., wie Breidecker schreibt. Dass die Autorin mit ihrem Buch dem osmanischen Vielvölkerstaat und der religiösen Vielfalt huldigt und damit die aktuelle türkische Politik kritisiert, gefällt dem Rezensenten.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 18.07.2015
Ganz verzaubert erscheint Rezensent Manuel Gogos nach der Lektüre von Elif Shafaks neuem Roman "Der Architekt des Sultans", in dem die Politikwissenschaftlerin von dem türkischen Renaissance-Architekten Sinan erzählt. Der Kritiker taucht hier auf sechshundert Seiten in eine magische Welt voller Verschwörungen und Machtkämpfe, wandelt durch die prachtvolle Architektur Istanbuls und bewundert Shafaks Talent, auch mit sprachlichen Mitteln das osmanische Reich immer wieder heraufzubeschwören. Darüber hinaus liest Gogos in diesem bildgewaltigen, historischen und zugleich "märchenhaften" Roman eine berührende Vater-Sohn-Geschichte.
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