Mathias Enard

Erzähl ihnen von Schlachten, Königen und Elefanten

Roman
Cover: Erzähl ihnen von Schlachten, Königen und Elefanten
Berlin Verlag, Berlin 2011
ISBN 9783827010056
Gebunden, 150 Seiten, 17,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Holger Fock und Sabine Müller. Michelangelo sollte 1506 auf Einladung des osmanischen Sultans eine Brücke über das Goldene Horn bauen - das ist der Stoff für eine wunderbare Parabel über die Religions- und Zivilisationskonflikte.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 14.01.2012

"Plausibel" erzählt findet Rezensent Georg Renöckl Mathias Enards Geschichte darüber, was wohl geschehen wäre, wenn der seinerzeit unter Papst Julius II. leidende Michelangelo das historisch verbriefte Angebot von Sultan Bayezid II. angenommen hätte und nach Istanbul gereist wäre, um dort tatsächlich eine Brücke zwischen dem europäischen und asiatischen Teil der Stadt zu konzipieren. Über den Historienroman reiche dies "anregende Gedankenexperiment" jedoch mit "spielerischer Eleganz" hinaus: Wenn Michelangelo zunächst plan- und einfallslos durch das zwischen christlichem Erbe und islamischer Großmacht schillernde Istanbul streift, erblickt Renöckl darin nicht nur eine gelungene Parabel über die wechselvollen Beziehungen zwischen Morgen- und Abendland, sondern auch ein Spiel mit der Möglichkeit, dem Mittelmeerraum wenigstens symbolisch einen Teil der früheren Einheit zurückzugeben.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 11.10.2011

Für Joseph Hanimann gehört Mathias Enard zu den faszinierendsten Erzähltalenten der französischen Gegenwartsliteratur, und auch Enards jüngster, jetzt auf Deutsch erschienener Roman bestärkt ihn in dieser Ansicht. Hatte sich der Autor in seinem vorangehenden Roman "Zone" einer ausschweifenden, opulenten Erzählweise befleißigt, geht er in diesem schmalen Buch, das den Aufenthalt Michelangelos am Hof des Sultans in Konstantinopel schildert, äußerst knapp und fragmentarisch zu, stellt der Rezensent fest. Aus lauter "Miniaturskizzen" setzt sich aber darin ein Erzählfresko zusammen, dessen Kunst darin besteht, dass es dem Leser ermöglicht, das Ausgesparte selbst hinzu zu fantasieren, so Hanimann begeistert. Und obwohl der Autor des Arabischen und Persischen mächtig ist und über weitreichende Kenntnisse verfügt, muss er das in diesem wunderbaren Roman nirgends zur Schau stellen, so der Rezensent sehr eingenommen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.10.2011

Als begeisterte Mathias-Enard-Leserin kann Rezensentin Lena Bopp auch seinen neuen Roman "Erzähl ihnen von Schlachten, Königen und Elefanten" nur empfehlen. In dieser "kleinen, feinen" Geschichte ist sie dem französischen Autor, der persische und arabische Literatur studierte, erneut an einen Ort zwischen Orient und Okzident gefolgt. Denn Enard schickt seinen Protagonisten, keinen geringeren als Michelangelo, dem Auftrag eines Sultans folgend, ins Konstantinopel des frühen 16. Jahrhunderts, um dort eine Brücke zwischen Asien und Europa zu bauen. Die Einladung, berichtet Bopp, habe es seinerzeit wirklich gegeben, aber während der echte Michelangelo diese abgelehnt habe, verbinde Enard hier mit "subtiler Raffinesse" Realität und Fiktion. Mit viel Lob bedenkt die Kritikerin auch die Entscheidung des Autors, diese reizvolle Geschichte über Toleranz in einer märchenhaften, an persische Liebesgedichte erinnernden Form des Conte zu erzählen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.10.2011

Mit großer Sympathie bespricht Rezensentin Lena Bopp diesen kurzen Roman, der eigentlich eher einem Prosagedicht gleicht, wie sie meint. Ausgangspunkt der Erzählung ist eine Einladung des Sultans von Konstantinopel an Michelangelo, der, gerade bitter von Papst Julius II. enttäuscht, die Einladung annimmt und nach Konstantinopel reist, um dort eine Brücke über das Goldene Horn zu bauen. Die Einladung gab es tatsächlich, schreibt Bopp, aber gereist ist Michelangelo in Wirklichkeit nicht. In Konstantinopel begegnet Michelangelo dann zwei Personen, die für seinen Aufenthalt bestimmend sind: einem muslimischen Dichter und einer jüdischen Tänzerin. Bopp zeigt sich von der Kunstfertigkeit, mit der Enard Fakten und Fiktion mischt, ebenso beeindruckt wie von der poetischen Doppeldeutigkeit, die Orte, Zeit und Figuren prägt.

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