Peter-Andre Alt

Franz Kafka. Der ewige Sohn

Eine Biografie
Cover: Franz Kafka. Der ewige Sohn
C. H. Beck Verlag, München 2005
ISBN 9783406534416
Gebunden, 750 Seiten, 34,90 EUR

Klappentext

Franz Kafka ist der wirkungsmächtigste Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Sein Werk gilt bis heute als Inbegriff des Dunklen, Mehrdeutigen, faszinierend Unheimlichen: als Musterfall der ästhetischen Moderne. Diese Biografie stellt Kafkas Leben und seine literarische Arbeit in den Zusammenhang der großen kulturellen Strömungen der Zeit zwischen 1880 und 1920. Kafkas künstlerische Individualität wird aus ihrer spannungsreichen Verbindung mit europäisch-jüdischen Traditionen neu verständlich - als Besitz eines ewigen Sohns, der sich selbst am Anfang und am Ende aller Überlieferungen stehen sieht. Franz Kafka hat Leben und Schreiben als Einheit betrachtet, die seine Identität begründete. Sein zerbrechlicher Selbstentwurf blieb gebunden an die Höhen und Tiefen der literarischen Arbeit. Peter-Andre Alts Biografie verknüpft die Lebenserzählung mit umfassenden Interpretationen, die Kafkas Werk und dessen psychologische Voraussetzungen durchdringen. Sie zeigt den Autor als Beobachter seiner Zeit, indem sie sein Verhältnis zur Prager deutschen Literatur und zur europäischen Moderne, zu Psychoanalyse und Zionismus, Philosophie und jüdischer Geistestradition, Anthroposophie, Naturheilkunde, Kino und Theater untersucht. Sie präsentiert den Flaneur und den Einsamen, den Reisenden und den Ängstlichen, den Asketen und den Liebenden, den Ekstatiker und den Skeptiker, den Spezialisten des Schreckens und den Meister der Ironie. Kafkas Vita wird dabei nicht als Quelle, sondern als Spiegel der literarischen Arbeit gedeutet. Die Welt seiner Erzählungen und Romane gewinnt auf diese Weise in den Linien des Lebensentwurfs eine ebenso fesselnde wie unheimliche Konsequenz.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.05.2006

Beeindruckt zeigt sich Rezensent Gerhard Neumann von Peter-Andre Alts "großer Kafka-Biografie". Er schildert das Problem des gerade bei Kafka so schwierigen Verhältnisses von Werk und Leben. Gerade hier überzeugt ihn der Ansatz des Autors, das biografische, kulturhistorische und poetische Feld im Laufe des Erzählens von Kafkas Leben nicht auseinander abzuleiten, sondern "behutsam, aber entschieden" voneinander zu trennen. Er bescheinigt Alt "Mut zur Chronik", aus der er das komplizierte Phänomen Kafka beleuchtet. Dabei gelinge es dem Autor, die Texte Kafkas in "behutsamer und wohlfundierter Analyse" und "ohne jeden literaturwissenschaftlichen Jargon" aufzuschließen.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.02.2006

Zweifelsohne ist Peter-Andre Alt mit dieser Kafka-Biografie "ein großer Wurf" gelungen, frohlockt der Rezensent Oliver Pfohlmann. Nicht zuletzt weil Alt sich darauf verstehe, Oscar Wildes Diktum, dass das Leben auf der Suche nach Gestaltung die Kunst imitiert, für die Kafka-Forschung fruchtbar zu machen und eine erstaunliche, vom Werk ins Leben reichende Dynamik aufzudecken - etwa  zwischen Kafkas Umgang mit Schreibblockaden und der Konfliktbewältigung in seinen Liebesbeziehungen. Darüberhinaus, so der Rezensent, macht Alts Werkbiografie ihrem Anspruch auf Vollständigkeit alle Ehre: "Sie kompiliert souverän die Ergebnisse jahrzehntelanger Forschung und ersetzt ein ganzes Regal an einschlägiger Sekundärliteratur". Zwar müsse Alts stilistische Darreichungsform schon fast als wissenschaftlich dröge bezeichnet werden und gerate insgesamt zum "Exerzitium", doch paradoxerweise entstehe daraus ein höchst lebendiger Kafka. Nur einen kleinen Makel hat der Rezensent entdeckt: Zwar haben die mit Freuds Psychoanalyse arbeitenden "luziden Werkinterpretationen" ihn überzeugen können, doch einem Klischee (wie schon der Titel zeige) habe der sonst so nüchterne Alt nicht entsagen können, dem nämlich des "ewigen Sohns". Besonders zum Tragen kommt dies für den Rezensenten, wenn Alt dem sterbenden Kafka, der zum ersten Mal Prag verlassen hat und in Berlin an der Seite von Dora Diamant befreit losschreibt, seine Emanzipation anscheinend nicht gönnt und Dora prompt zum Mutterersatz erklärt.
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