Am 10. August 1896 wird in Prag Milena Jesenska geboren, Tochter gut situierter Eltern. Für das frühreife Kind, das von der kränkelnden Mutter wenig Hilfe erhält, wird der elegante, weltgewandte Vater zum Idol, seine Parteinahme für die tschechischen Nationalisten zum politischen Vorbild. Bald beginnt sie, die gesellschaftlichen Zwänge und Heucheleien der verfallenden k. u. k.-Monarchie zu durchschauen und in den Kreisen tschechischer Intellektueller und Bohemiens nach neuen Möglichkeiten zu suchen. Erste journalistische Texte erscheinen, sie übersetzt Kafka ins Tschechische. Ihre politische Arbeit wird ihr immer wichtiger, auch über eine kurze Liaison mit Kafka, zwei Ehen und eine Tochter hinweg. 1939 wird Milena Jesenska wegen Widerstands und Beteiligung an der Rettung verfolgter Juden verhaftet; fünf Jahre später kommt sie im KZ Ravensbrück ums Leben.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 23.01.2003
Vieles missfällt der Rezensentin Marion Löhndorf an Margaret Steenatts Milena-Jesenska-Biografie, zum Beispiel Kafkas Bild auf dem Buchdeckel, das Jesenskas Persönlichkeit auf die Rolle der Geliebten reduziere, oder auch die weitschweifige Darstellung historischer und sozialer Umstände und die langen Zitate von Personen, die den Zeitgeist widerspiegeln sollen. Löhndorf findet es schade, dass Jesenskas Bild "unscharf" bleibt, räumt jedoch ein, dass wenigstens "umrisshaft" das Bild einer Frau gezeichnet werde, die sich, wie sie findet, durch Unkonventionalität und großen Mut auszeichnete und deren Leben von schweren inneren und äußeren Kämpfen gezeichnet war.
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