Klappentext

Übersetzt aus dem Norwegischen von Ina Kronenberger. Früher waren Jim und Tommy unzertrennlich. Jim, der Gymnasiast, wuchs bei seiner frommen Mutter ziemlich wohlbehütet auf. Tommy lebte bei einem Pflegevater und arbeitete in der Sägemühle. Nun treffen sie einander nach über dreißig Jahren wieder: Tommy hat es in der Finanzbranche zu Wohlstand gebracht, aber der Job ist ihm zuwider. Jim ist Bibliothekar geworden, seit einem Jahr jedoch ist er krankgeschrieben und angelt am Fluss. In unvergesslichen Szenen schildert Petterson die Freundschaft der beiden Männer, ihre Frauen, ihre Einsamkeit, ihre Wut und ihren Trotz.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.05.2015

Seit Ernest Hemingway dürfte kaum jemand "das Herumschreiben um das Eigentliche und die Poetik der Lücke" so kultiviert haben wie Per Petterson, der auch dessen Vorliebe für gewöhnliche, aber gewöhnlich komplizierte Menschen teilt, berichtet Wolfgang Schneider. In "Nicht mit mir" geht es um ein Wiedersehen zweier alter Freunde, die, jeder auf seine Weise, eine schwere Kindheit hatten: Tommy mit einem prügelnden Vater und Jim mit einer frömmelnden Mutter, fasst der Rezensent zusammen. Der Erzählstrang springt zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her, was hier allerdings kein bloß modisches Stilmittel ist, erklärt Schneider. Petterson öffnet durch die vergangenen Episoden und gegenwärtigen Aussparungen den "Resonanzkörper", dessen bloße Oberfläche die Gegenwart bildet, so Schneider. Es braucht allerdings seine Zeit, bis man sich die Leerstellen lesend fruchtbar machen kann, warnt Schneider.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 17.01.2015

Ein großes Buch über die Macht des Schicksals ist Per Pettersons Roman für Claus-Ulrich Bielefeld. Wie der Autor lakonisch geballtes Unglück erzählt, erscheint dem Rezensenten zwar mitunter als Zumutung für den Leser, der Umstand, dass Petterson seine Figuren nie ausstellt, sondern ihnen trotz Niederlagen immer auch eine gewisse Unabhängigkeit zugesteht, macht die rückblickend und mit vielen Wendungen erzählte Geschichte vom Erwachsenwerden im Norwegen der 60er, von einer Freundschaft und ihrem Ende für Bielefeld jedoch zu einer intensiven, einprägsamen Lektüre.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 23.09.2014

Eigentlich bedient sich Per Petterson in seinem Roman "Nicht mit mir" der Erzähltechniken eines Thrillers, meint Rezensentin Judith von Sternburg: einzelne figurengebunde Perspektiven mit jeweils begrenzter Einsicht, deren Wechsel meist durch "klassische Cliffhanger" begleitet wird, und zwei Zeitebenen, die durch einen Bruch getrennt werden, erklärt die Rezensentin. Nur verwendet Petterson sie in diesem Buch, um das Drama einer Familie und einer verwitterten Jugendfreundschaft zu erzählen, von einem prügelnden Vater, einer flüchtenden Mutter und den Kindern, derer sich das Jugendamt zwar annimmt, nicht ohne sie jedoch auseinander zu reißen, fasst von Sternburg zusammen. Es sind zeitlose Geschichten von Menschen, die trotz verschiedenster Lebensumstände scheitern, so die Rezensentin.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.09.2014

Rezensent Andreas Breitenstein ist von der kunstfertigen Lakonie Per Pettersons einmal mehr begeistert. Dessen Roman "Nicht mit mir" findet zielsicher die Schmerzpunkte, verrät der Rezensent: zerbrechende Freundschaften und Familien, missglückte Ausbruchsversuche aus einer drückenden inneren Leere, allenthalben das Fehlen von Antworten auf die wirklich wichtigen Fragen, schließlich der Verlust noch der Fragen selbst, fasst der Rezensent zusammen. Egal, ob sie  materielle Not leiden oder im Überfluss schwelgen, Pettersons Figuren führen ein "Leben auf Halbmast", sie sind einsam, depressiv, im Grenzfall gewaltbereit, erklärt Breitenstein, der darin auch die latenten Brandherde einer oft idealisierten norwegischen Gesellschaft erkennt. Wahrscheinlich hat der Autor bei diesem Buch auch ein wenig an Anders Breivik gedacht, vermutet der Rezensent.