Für sein Langgedicht "Zum Wasser will / alles / Wasser will weg" wurde Paulus Böhmer 2013 mit dem Robert-Gernhardt-Preis ausgezeichnet.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 31.01.2015
Epochal findet Michael Braun das Langgedicht von Paulus Böhmer, einem laut Rezensent als Ästhetiker der Willkür verkannten Traditionalisten lyrischer Techniken (Reihung, Alliteration etc.). Epochal erscheint Braun nicht nur der Bilderreichtum, sondern auch Böhmers Ansinnen, Mythen, Natur- und Zeitgeschichte und die eigene Biografie assoziationsreich zu verbinden in einem einzigen Poem. Braun begleitet die Hauptfigur durch die Zeiten von Krieg und Kindheit und wird Zeuge ihrer Verwandlung im "poetischen Maelstrom", im "Kleid von Sehnsucht, im Kleid von Entkommen, Ankommen / im Delir, in Flappen aus Brühe und Blut".
Mit Emphase widmet sich Jan Völkert Röhnert der Lyrik des Paulus Böhmers, die auch mit diesem Band wieder den ganzen Mann fordert: 236 Seiten umfasst das Langgedicht "Zum Wasser will alles Wasser will weg", dem Layout nach erscheint es im A4-Format, aber in den Augen des Rezensenten ist es eher mit den Psalmen Walt Whitmans vergleichbar oder mit den Visionen des Jesaja: Die Sprache entwickelt einen unwiderstehlichen Sog, Erhabenes paart sich mit dem Urkomischen, und die ästhetische Zumutung wird zu einer regelrecht körperlichen Erfahrung. Für Röhnert ist das noch einmal "echte Avantgarde" aus der Feder des 1936 geborenen früheren Staudenzüchters, Werbetexters, Bohemiens und Leiters des Literaturbüros im Mousonturm.
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