Saskia Warzecha

Farbleib

Cover: Farbleib
Matthes und Seitz, Berlin 2024
ISBN 9783751809931
Gebunden, 68 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

"Die Erdkugel schleicht um die Sonne / der Farbleib wartet im Haus." So beginnt Saskia Warzechas zweiter Lyrikband Farbleib und setzt damit bereits die Eckpunkte, von denen aus sich ein Langgedicht in sechzig Augenblicken entspinnt, das an festgefahrenen Einstellungen rüttelt. Geschult am New Materialism, versteht dieses Schreiben Materie nicht als lediglich dem Menschen Zuhandenes, als einheitliche, träge Substanz oder als sozial konstruiertes Faktum, sondern als aktive Kraft, die genauso sehr durch menschliches Wirken und Erfahren geformt wird, wie sie diese formt. Warzecha spürt Harmonie auf, wo zuvor Ordnung regierte, fächert die Dimensionen aus, dehnt und verschleift sie, bis einem schwindlig wird. Die Frage, wo oben ist, wo unten, wann jetzt ist und wann dann, weicht hier einer Poetik der Öffnung, die berührt, ohne besitzen zu wollen, die sich nähert, ohne Land zu nehmen. Diese Welt, die so entsteht, mit dem rätselhaften Farbleib, dem Zögling, dem Haus, ist es, in der man gerne leben möchte.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 12.12.2024

Saskia Warzechas Lyrik lässt den Rezensenten Björn Hayer mit ihren Ausflügen ins Magische und Gespensterhafte ein wenig an Goethes Zauberlehrling denken: Es wird gefragt, ob "Zaubersprüche symmetrisch verfasst" werden, der Sprecher ist ein "Zögling", dem sich die Tore zum Irrationalen, Unheimlichen und Unbewussten öffnen. Ein bisschen irritiert Hayer die "Rätselhaftigkeit" dieser Gedichte, die nicht zu mehr poetischer Offenheit führt, sondern mit Wortneuschöpfungen wie "Nunspuk" und "Primwände" hart an der Grenze zum Unverständlichen vorbeischrammt. Trotzdem empfiehlt er den Band allen, die mit Lyrik schweben wollen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 30.10.2024

Rezensent Nico Bleutge freut sich über die Experimentierfreude in diesem Lyrikband von Saskia Warzecha, die hier eine ebenso bewegte wie bewegende Poesie komponiert. Es gehe Warzecha darum, eine neue Poetik zu erproben, in der jedes in einen Kontext gesetzte Element zugleich aus diesem Kontext ausbricht, entkommt, in einen anderen Zustand übergeht, und Bleutge ist sichtlich beeindruckt, wie Warzecha die statische Innenwelt eines Hauses mit poetischen Mitteln in Bewegung versetzt. Aber nicht nur die räumliche Dimension wird erweitert, sondern auch die zeitliche. Und es gibt eine Figur, den "Zögling", der sich in diesem Haus zu bewegen und zu verhalten lernt. Bleutge lobt originelle Wortspiele und Neologismen wie Tagtrage", "Streblicht" oder "Augenschauschau". Er versteht, dass es Warzecha hier nicht nur um eine neue Poetik, sondern letztlich um eine neue Ästhetik geht, um eine "umfassendere Art" sinnlicher Erfahrung. Und das gelingt ihr spielerisch und äußerst kreativ im Zusammenspiel von "Blick und Sprache", staunt der Rezensent.
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