Paul Morand

Die Fusion

Roman
Cover: Die Fusion
Manholt Verlag, Bremen 2000
ISBN 9783924903152
Gebunden, 160 Seiten, 18,41 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Dirk Hemjeoltmanns. Dieser Roman aus dem Jahr 1924 ist ein springlebendiger aus der Zeit nach dem 1. Weltkrieg. Lewis ist ein liebenswerter, wenngleich skrupelloser Senkrechtstarter in der Pariser Finanzwelt, ein Sammler von Geldmacht und Frauen. Nachdem er sich mit entsprechenden Methoden an die Spitze einer Art Investmentbank gesetzt hat, wird ihm - dem ewigen Spieler - auf der Beerdigung seines Vorgängers, der seinen durch Lewis erzwungenen Rücktritt nie verwunden hat, ein Investitionsobjekt schmackhaft gemacht, dem er vor Ort - es handelt sich um eine Schwefelmine in Sizilien - sofort nachgeht. Dort trifft er auf unerwartet harte Konkurrenz in Gestalt von Irène Apostolatos, der scheinbar kühlen Vertreterin des alteingesessenen griechischen Bankhauses Apostolatos...

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.08.2001

Rolf Vollmann ist schon ein bisschen neidisch auf Paul Morand, den Klugen, Schönen und Erfolgreichen. Von erlesener Künstlerherkunft, habe er nicht nur eine hervorragende Ausbildung genossen (Jean Giraudoux als Privatlehrer!) und an den besten Universitäten studiert, er habe auch immer die schönsten Frauen bekommen und die allerschönste dann geheiratet. Und damit nicht genug: Ein ausgezeichneter Literat sei Morand auch noch gewesen, dem mit "Die Fusion" ein furioser Roman gelungen sei. "Lustvoll anregend" weht den Rezensenten aus solchem Buch "der Geist wach durchlebter Zeiten" an. Glänzende Bonmots und kluge Beobachtungen stünden darin, genau auf der Reflexionsebene des Lebens, das da gelebt werde. Hier im Roman jedoch sei für ausgleichende Gerechtigkeit gesorgt, der Romanheld bekomme zwar auch die schönste Frau, behalte sie aber nicht. Uff!, möchte man da aufatmen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.05.2001

Der Roman über den draufgängerischen Manager Lewis und die Geschäftsfrau Irène des 1888 geborenen Paul Morand - 1924 zuerst erschienen - ist zwar in der Zwischenkriegszeit angesiedelt, nimmt aber für Joseph Hanimann sämtliche nachfolgende Generationenwechsel bis hin zur New Economy vorweg. "Schnell, leicht und brillant" und mit einer "behänden Erzähldynamik" habe Morant ein spannendes Doppelporträt mit "subtilen Charakterzeichnungen" geschrieben, lobt der Rezensent. Sehr gelungen findet er auch die "federnde" Übersetzung von Dirk Hemjeoltmanns. Für Hanimann gibt es keinen Zweifel daran, dass dieser anachronistische Epochenroman, 1924 ein riesiger Erfolg, auch heute nichts an seiner Aktualität eingebüßt hat. Ein paar "terminologische Retouchen" würden dem Rezensenten dafür genügen.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.10.2000

Der Roman des französischen Vielschreibers ist bereits über 70 Jahre alt und hat, wie Sacha Verna zugibt, ein wenig Staub angesetzt, aber: "Der Staub ziert diesen Roman wie Puderzucker den Guglhupf". Es ist ein ihm sympathisches Buch, das auf altmodische Weise die Thematik eines Houellebecq vorwegnimmt: wie der Kapitalismus die Beziehungen kapitalisiert und verändert. Morand, meint Verna, gilt als Chronist der Zwischenkriegszeit, wo man sich mit Begeisterung auf alles stürzte, was modern erschien, aber heute so rührend vorgestrig erscheint: da wird der Heiratsantrag per Telegramm ausgesprochen. Im Mittelpunkt des Romans steht ein ungleiches Paar, das in der Finanz- und Bankenwelt arbeitet: sie müssen erleben, schreibt Verna, dass ihr "Unternehmen Liebe scheitert, weil es keine Rendite abwirft". Der Rezensent findet den neuen Titel der deutschen Übersetzung auch deshalb genial, weil er auf die private wie die geschäftliche Seite der Beziehung anspielt und zugleich dem Buch ein zeitgemäßes Outfit verpasst.
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