Georges Rodenbach

Brügge. Tote Stadt

Roman
Cover: Brügge. Tote Stadt
Manholt Verlag, Bremen 2003
ISBN 9783924903046
Gebunden, 24 Seiten, 18,00 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Dirk Hemjeoltmanns. Mit Fotografien und einem Nachwort von Rainer Moritz. Verzweifelt über den frühen Tod seiner abgöttisch geliebten jungen Frau zieht sich Hugues Viane aus dem turbulenten Paris in das - wie er sagt - abgestorbene, graue Brügge zurück. Ein Ort, der sich vom Meer wie von einer Geliebten zurückgezogen hat. In den Grachten und tristen Häuserzeilen dieser Stadt glaubt er die Entsprechung seiner eigenen Seelenlandschaft zu finden. Sein eintöniges Leben spiegelt sich wider in den immergleichen abendlichen Spaziergängen an den Ufern der Wasserstraßen, durch das Gewirr mittelalterlicher Gassen. Ausweglos wie sein Dasein scheint das ewige Grau der Stadt zu sein.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 07.02.2004

Der Rezensent mit dem Kürzel "M. A." begrüßt dieses Buch in einer kurzen Notiz als Wiederentdeckung. Vor allem die "schwebende Eleganz der Sprache" hat ihn überzeugt, dieses Buch mehr als hundert Jahre nach seiner Publikation noch einmal zu empfehlen. Nirgendwo sonst als in dieser Geschichte, die von ferne an Hitchcocks "Vertigo" zu erinnern scheint, finde die "Schleiflackoberfläche er Jugendstil-Seele" größere Vollendung.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.12.2003

"Gesten einfrieren", so der Rezensent Hans-Peter Kunisch, ist heute ein geläufiges Schlagwort in der Kunst und lässt sich auf Georges Rodenbachs erstmals 1892 erschienene Novelle "Brügge. Tote Stadt", eines der Hauptwerke des belgischen Symbolismus, perfekt anwenden. Denn bei Rodenbach sei allerlei eingefroren: die Stadt Brügge, der frisch verwitwete Protagonist Hugues Viane und das Bild seiner verstorbenen Ehefrau. Als Hugues nach einiger Zeit der melancholischen Gefangenheit einer Frau begegnet, die der Verstorbenen bis auf die Stimme gleicht, beginnt er ein Verhältnis mit ihr und versucht, die Lebende ins gefrorene Bild der Toten zu pressen. Dieser Versuch, so der Rezensent weiter, misslingt bis hin zur Katastrophe, als die Lebende das als Schrein zu Ehren der Toten eingerichtete Zimmer betritt und "entheiligt", und Hugues sie mit dem wertvollsten "Relikt", dem "bernsteinfarbenen Zopf" der Toten, erwürgt. An Dirk Hemjeoltmanns Neuübersetzung überzeugt den Rezensenten, dass sie das Besondere dieser Novelle herausarbeitet, indem sie deren alexandrinische Versform spürbar macht. Die großen Fotos von Brügge, die der Erstausgabe angehörten und die Novelle zwischen alle "stilistischen Stühle" der Zeit - nämlich ins Spannungsfeld zwischen "hochsymbolistischem" und sinnstiftendem Text und "naturalistischem" fotografischen Abbild - setzten, fehlen in der vorliegenden Ausgabe allerdings, wie der Rezensent abschließend bemerkt.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 26.11.2003

Ein "kleines Juwel" ist die Neuübersetzung von Georges Rodenbachs kleinem Roman, schwärmt Thomas Laux. Rodenbach, einer der Hauptvertreter der belgischen Nationalliteratur gegen Ende des 19. Jahrhunderts, habe mit "Bruges-la-Morte" einen bedeutenden Beitrag zum literarischen fin-de-siecle geschaffen. Als Erster binde Rodenbach eine Stadt so eng in die Handlung ein, zeitweise rücke Brügge, dessen düstere Ausstrahlung mit den Seelenzuständen des Protagonisten korrespondiert, sogar in den Mittelpunkt des dramatischen Geschehens. Dies ist "sehr dicht" erzählt, so Laux, der Autor zeige sich in der zunehmenden Dynamik und Dramatik der Geschichte zudem als "Meister der Ökonomie". Das melodramatische Ende passt sehr gut in die "düster morbide Zeichnung" des Protagonisten, dessen Sehnsucht nach einer verstorbenen Liebe schließlich "sehr stringent" in einem tödlichen Furor kulminiert, schreibt der faszinierte Rezensent.
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