Paul M. Neurath

Die Gesellschaft des Terrors

Innenansichten der Konzentrationslager Dachau und Buchenwald
Cover: Die Gesellschaft des Terrors
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783518583975
Gebunden, 400 Seiten, 29,80 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Hella Beister. Herausgegeben von Christian Fleck und Nico Stehr. Paul Neurath war vom 1. April 1938 bis zum 27. Mai 1939 in den KZs Dachau und Buchenwald als jüdischer politischer Häftling inhaftiert. Nach seiner Entlassung, floh er nach Schweden und gelangte 1941 in die Vereinigten Staaten. Bereits 1943 brachte er dort die Studie "Die Gesellschaft des Terrors" über Dachau und Buchenwald zum Abschluss, mit der er später an der Columbia-Universität in New York promoviert wurde.
Seine Arbeit fand damals jedoch nur wenig Beachtung und blieb unpubliziert. Bei Kriegsende wusste die Öffentlichkeit nichts oder nur sehr wenig von den Lagern und danach überschatteten die Greuel der Vernichtungslager den Blick auf Konzentrationslager wie Dachau und Buchenwald. Neuraths Schilderung seiner Beobachtungen und seine wissenschaftlich informierte Analyse der Verhältnisse und sozialen Strukturen in Dachau und Buchenwald bestechen nicht nur durch ihre Authentizität, sondern sind aufgrund ihrer zeitlichen Nähe zu den Ereignissen noch nicht geprägt von den späteren Deutungen.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.02.2005

Ein wichtiges Schlüsseldokument ist mit Paul Martin Neuraths Innenansicht der Konzentrationslager Dachau und Buchenwald erschienen, betont Thomas Meyer. Der Bericht schildert die fast einjährige Gefangenschaft Neuraths in Dachau und Buchenwald im Jahre 1938/39 und diente dem Autor später als soziologische Dissertation an der Columbia University. Was den Text vor allem auszeichne, sei die Mischung aus Erzählung, Analyse und Urteilen. Der Wechsel von der Ich- zu Wir-Perspektive und schließlich auf die Ebene des Protokolls bewirke seine hohe Glaubwürdigkeit, schreibt der Rezensent. Äußerst plastisch würden die Mitgefangenen, Wachmannschaften, Foltermethoden und Lagerhierarchien beschrieben. Diese frühen Berichte aus Konzentrationslagern, deren Autoren zumeist noch keine Kenntnis von den reinen Vernichtungslagern hatten, seien immer wieder unterschätzt worden, zitiert Meyer die Herausgeber. Zu Unrecht, wie dieser wesentliche Beitrag zur Analyse des beginnenden Vernichtungskrieges beweise.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.01.2005

Y. Michal Bodemann stellt die 1943 von Paul Martin Neurath verfasste Dissertation über die Konzentrationslager Dachau und Buchenwald vor, in denen der Autor selbst für 14 Monate inhaftiert war. Der Text, den Neurath als Promotionsschrift in seinem Exil in New York eingereicht hat, ist nie auf Englisch veröffentlicht worden und erst jetzt auf Deutsch zugänglich, teilt der Rezensent mit. Er würdigt das Buch, das er eher als "Bericht" denn als "Studie" beurteilt, als eine der frühesten Darstellungen der Konzentrationslager und ihrer Organisation und stellt es in eine Reihe mit Berichten über Buchenwald von Eugen Kogon oder Essays von Hannah Arendt. Dabei interessiere sich der Autor vor allem für die Selbstorganisation der Häftlinge, die ihre "Situation zwar nicht bestimmen" konnten, aber dennoch die sozialen Verhältnisse innerhalb des Lagers und zwischen den Häftlingen selbst "gestalteten", fasst Bodemann zusammen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 09.12.2004

Heute liest man Martin Neuraths erst jetzt veröffentlichte Dissertation über seine Erlebnisse in den Konzentrationslagern Dachau und Buchenwald vor allem als historische Arbeit, glaubtt Hans-Martin Lohmann. Dessen ungeachtet haben viele der Erkenntnisse und Einsichten, die in der vorliegenden Mischung aus persönlicher Erinnerung und wissenschaftlicher Beobachtung niedergelegt sind, "auch heute noch Bestand", wie der Rezensent notiert. Neurath hatte den Anspruch, der sozialen Struktur des Konzentrationslagers auf den Grund zu gehen und dessen sonderbare Ordnung zu beschreiben. Neben Bruno Bettelheim, Viktor Frankl, Eugen Kogon und Benedikt Kautsky gehöre der Bericht zu den frühesten Zeugnissen über die NS-Lager. Neurath war noch vor dem Krieg im Lager Dachau, seine Beobachtungen "entwerfen ein anderes Bild" der Lager als jene Berichte, die auf spätere Erfahrungen zurückgehen. Im Vergleich der Zeugnisse entdeckt der Rezensent aber auch Kontinuitäten und Gemeinsamkeiten, die tatsächlich eine "Ordnung des Terrors" erkennen lassen.
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