1952 erschien bei der Deutschen Verlags-Anstalt Paul Celans Gedichtband Mohn und Gedächtnis: vier Zyklen aus 56 Gedichten. In diesen Gedichten zog Paul Celan die Summe seines bis dahin entstandenen Werks, zugleich eine Lebenssumme: Auf dem bitteren Weg von Verfolgung und Exil hatte er über die Stationen Bukarest und Wien schließlich Paris erreicht. Mit "Mohn und Gedächtnis" drang Celan erstmals ins Bewusstsein der literarisch interessierten Öffentlichkeit der Bundesrepublik Deutschland. Vorausgegangen war dem zwar bereits 1948 die in Wien erschienene Gedichtsammlung Der "Sand aus den Urnen", doch ließ Celan die Restbestände dieses von Druckfehlern entstellten und praktisch wirkungslosen Buches 1951 makulieren. Einen großenTeil der Gedichte von "Der Sand aus den Urnen" hat er in "Mohn und Gedächtnis" übernommen. Die enge Beziehung beider Bücher wird daher auch editorisch dargestellt.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.10.2003
Der vorliegende zweiteilige Band mit frühen Gedichten Celans ist der Bonner Celan-Ausgabe (kurz BCA) zuzuordnen, schafft Beate Tröger Übersicht im Dschungel der Celan-Ausgaben, der neben zwei Leseausgaben außerdem zwei nicht abgeschlossene kritische Ausgaben beherbergt, nämlich die Tübinger und die Bonner Celan-Ausgabe. Letztere ist die aufwändigste, stellt sie fest: ein Diktum, das für die Herausgeber wie für die Leser gilt. Die Vorgehensweise der Bonner Herausgeber ist nämlich sowohl philologisch-kritisch, als auch historisch-genetisch, d.h. die verschiedenen Entwicklungsstufen der Gedichte werden chronologisch dokumentiert. Das alles sei kompliziert, aber zu bewältigen, erklärt Tröger. Das Problem sieht sie eher in Celans Arbeitsweise selbst begründet, der sich mit seiner nichtlinearen Arbeitsweise einer linearen Edition widersetzt. Dennoch ist die Bonner Ausgabe die gründlichste, befindet die Rezensentin, weil sie alle Textfassungen (auch die nicht autorisierten wie im Fall der Erstausgaben von "Der Sand aus den Urnen") berücksichtige. Tröger hat die verschiedenen Editionen verglichen. Ihr sind kleine Abweichungen bei den Umlauten und in der Interpunktion aufgefallen; das sind einerseits minimale Unterschiede, stellt sie klar, andererseits käme der Interpunktion bei Celan große Bedeutung und ein experimenteller Charakter zu. Nur so würden Sinnverschiebungen im Entstehungsporozess sichtbar, und auch die berühmte "Todesfuge" sei nun in allen Textstufen nachzulesen.
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