Moses Rosenkranz

Kindheit

Fragment einer Autobiografie
Cover: Kindheit
Rimbaud Verlag, Aachen 2001
ISBN 9783890867588
Gebunden, 251 Seiten, 24,54 EUR

Klappentext

Herausgegeben von George Gutu unter Mitarbeit von Doris Rosenkranz mit einem Essay von Matthias Huff. Die Kindheit bis zum 1. Weltkrieg erlebte Moses Rosenkranz in den Dörfern zwischen Pruth und Czeremosch in einer kinderreichen Bauernfamilie. Dann folgten Flucht, der Tod des Vaters, völlige Verarmung; danach Wanderjahre auf Arbeitssuche. Die ersten fünfzehn Jahre dieses Lebens, das noch viele Katastrophen unseres Jahrhunderts durchlaufen sollte, schildert der Dichter im vorliegenden Buch.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.08.2002

Voller Bewunderung bespricht Thomas Rietzschel die erstmalig veröffentlichte Autobiografie Moses Rosenkranz'. Das Werk ist lediglich ein Fragment, behandelt es doch nur die Kindheit des 1904 in der Bukowina Geborenen, der auf Grund seiner Herkunft und politischer Wirren eine haltlose Existenz entwickelte, sich stets auf der Reise zwischen den Welten befand und in keiner wirklich heimisch werden konnte. Rosenkranz' ausgeprägtem Talent, mehr ausdrücken zu können "als die zusammengenommene Bedeutung der Worte", würden dem Leser die ersten zwei schwierigen Lebensjahrzehnte des Protagonisten lebendig vor Augen geführt. "Der dunkle Wohlklang der Wörter" mache "Schmerz und Glück, alles" deutlich spürbar. Was die eigenen Kindheitserinnerungen dem Autor bedeuten, verrate "die Melodie der Sätze". Der Leser ist "schnell eingesponnen von der Handlung eines Bildungs- und Erziehungsromans, wie ihn die Romantiker poetischer kaum hätten erfinden können", so Rietzschel. Beglückt kündigt er an, dass der im Jahre 1920 endenden Autobiografie ein bisher unveröffentlichter zweiter Teil folgen soll, in dem geschildert wird, wie Rosenkranz sein besonderes Sprachgespür entwickelte und Schriftsteller wurde.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.06.2001

Unbestritten ist der 1904 geborene Bukowiner Moses Rosenkranz neben Paul Celan einer der begabtesten Dichter dieser Region, schreibt Edward Kanterian. Kein Wunder also, dass der Rezensent sehr erfreut darüber ist, dass der Aachener Rimbaud-Verlag nach und nach die Prosa und Lyrik von Rosenkranz, der, seit vier Jahren erblindet, zurückgezogen im Schwarzwald lebt, veröffentlichen will. Jüngste Publikation ist ein Teil der Autobiografie des Schriftstellers. Verfasst hatte er den vorliegenden Text Ende der fünfziger Jahre in Bukarest, informiert Kanterian. "Kindheit" ist für den Rezensenten das bedeutendste längere Prosawerk des Autors. Autobiografisches werde hier mit Pikareskem verbunden, die Zeit bis zum Jahr 1919 ungeschönt und authentisch eher protokolliert als fabuliert. Phantastisch ist für Kanterian einzig Rosenkranz' Sprache. Die klingt dem Rezensenten noch archaisch und "chthonisch" in den Ohren, was er aber keineswegs mit Antiquiertheit und Provinzialismus gleichgesetzt wissen will.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.05.2001

Jörg Drews zeigt sich überaus beeindruckt von diesen Erinnerungen des 1904 in der Bukowina geborenen Autors, der in bitterster Armut aufwuchs, sich als Kind jedoch schon von der deutschen Sprache faszinieren ließ und nach Jahren der Lagerhaft, Verfolgung und Unterdrückung 1961 nach Deutschland floh. Die Liebe zum Deutschen findet Drews angesichts von Rosenkranz' Lebensgeschichte erstaunlich, und das Deutsch, das Rosenkranz verwendet, ist seiner Beobachtung nach ein "intensives, hochpoetisches, präzises, wie hastiges und zugleich unverbildetes Deutsch". Drews bedauert es sehr, dass der Autor seine Autobiografie nicht vervollständigen wollte, doch hofft er, dass das noch erhaltene Fragment 'Jugend' bald ebenfalls veröffentlicht werden wird. Im vorliegenden Band nämlich sieht der Rezensent ein unbedingt lesenswertes "dichterisch bedeutendes und als Zeitzeugnis unvergleichliches autobiografisches Fragment".
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