Paul Celan, Ilana Shmueli

Paul Celan - Ilana Shmueli: Briefwechsel

Cover: Paul Celan - Ilana Shmueli: Briefwechsel
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2004
ISBN 9783518415962
Gebunden, 250 Seiten, 20,80 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Ilana Shmueli und Thomas Sparr. Mit 12 Abbildungen. Einer der wichtigsten Briefwechsel Paul Celans ist der mit Ilana Shmueli, einer Freundin aus Czernowitzer Jugendtagen und aus der Zeit des Ghettos. Nach Jahrzehnten der Trennung waren der berühmt gewordene Dichter und die mittlerweile in Israel lebende Ilana Shmueli einander 1965 in Paris wiederbegegnet. Aber erst im Oktober 1969, mit Celans Reise nach Israel, beginnt eine dichte Korrespondenz. Jerusalem und die Frau, die ihm Jerusalem zeigt, scheinen noch einmal ein Anker der Hoffnung, eine Rettung aus Vereinzelung und Verzweiflung. Und doch muss Celan, nach Paris zurückgekehrt, erkennen, "dass die Kräfte, die ich in Jerusalem hatte, geschwunden sind". Daran werden auch Ilana Shmuelis Paris-Besuche um die Jahreswende 1969/1970, die Utopie eines gemeinsamen Lebens, ihre beschwörenden und oft verzweifelten Briefe bis zum April 1970 entscheidend nichts ändern: zu klein sind die "Schilfe im Wasser", wie Ilana Shmueli diese Hoffnungsinseln selbst nennt. Die intensive Korrespondenz in 130 erhaltenen Briefen, von denen manche an einem Tag verfasst, unterbrochen, wieder aufgenommen, widerrufen oder ergänzt wurden, gibt ein äußerst anschauliches Bild der letzten Lebensmonate Paul Celans.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.04.2004

Sabine Franke ist sehr bewegt von der Lektüre des Briefwechsels zwischen dem Dichter Paul Celan und seiner Jugendfreundin Ilana Shmueli, die Celan noch aus Czernowitz kannte. Shmueli war während des Krieges nach Israel emigriert, die beiden trafen sich Mitte der sechziger Jahre wieder, als Celan schon in schlechter psychischer Verfassung war. Shmueli nahm die Herausforderung einer Liebesbeziehung dennoch an, Celan wiederum reiste 1969 das erste und einzige Mal nach Israel, anschließend setzte der intensive Briefwechsel ein, der bis zu Celans Selbstmord dauern sollte. Auch wenn sich Shmueli häufig bei Celan für ihre vermeintliche Unterlegenheit entschuldigt, kann Franke kein Ungleichgewicht zwischen den beiden Briefpartnern feststellen. Etwa zwanzig Gedichte Celans sind im Rahmen des Briefwechsels entstanden, auch sie sind dieser sorgfältig zusammengestellten und kommentierten Edition beigegeben: und zwar genau wie die Briefe in chronologischer Reihenfolge. Das ist zwar gelegentlich verwirrend, gesteht Franke, weil sich Briefe überschnitten haben, andererseits sei der Leser damit auf dem authentischen Stand des Informationsflusses zwischen den beiden. Ein Interview mit Celan zur deutschen Nachkriegslyrik, ein Bericht Shmuelis von Celans Israelreise und die Erinnerung Israel Chalfens an eine Vorlesung Celans in Jerusalem ergänzen diesen mit größter Vorsicht und höchster Sorgfalt gemachten Band, der Celans letzte Liebesbeziehung sowie sein zwiespältiges Verhältnis zu Israel spiegelt, lobt die Rezensentin.