Aus dem Englischen von Birgit Pungs. Der diesem Buch zugrunde liegende Ausdruck "Targets of opportunity" meint Ziele, welche zufällig oder ad hoc aus einer günstigen Situation heraus gewählt werden. Es geht also darum, einen organisierten Zeitplan zu suspendieren, um eine seltene oder einmalige Gelegenheit zu ergreifen. Es ist vor allem das Militär, welches darin ein taktisches Moment erkennt. Neuerliche Konjunktur fand dieses etwa bei den US-amerikanischen Kriegsstrategen, die solcherart beispielsweise im Irak Jagd auf ihre Feinde machen. Untersucht man das Motiv näher, so lässt sich eine spezifische Struktur erkennen: Das Zielen, das (skopische) Anvisieren bezeichnet eine Intentionsstruktur, welche die Wahl des richtigen Zeitpunktes mit einbegreifen muss. Da dieser günstige Zeitpunkt jedoch nicht immer bewusst gewählt werden kann, muß das Zielen mit dem Unvorhersehbaren rechnen und darauf vorbereitet sein. Samuel Weber verfolgt dieses Modell ausgehend von Homer und Aristoteles über Sigmund Freud, Walter Benjamin, Carl Schmitt bis hin zum neuartigen Paradigma der Vernetzung und der netzwerkzentrierten Kriegsführung. Entlang der in ihm freigelegten Widersprüche erweist sich ein Universalismus des Westlichen als brüchig und Alternativen zum Abendländischen werden lesbar.
Lesenswert ist dieses Buch, keine Frage, findet die Rezensentin Ines Kappert. Allerdings nimmt der Autor Samuel Weber, einer der wichtigen Theoretiker des Poststrukturalismus, ihrer Meinung nach eine etwas unsaubere Vermischung vor. Auf der einen Seite untersucht er die lange Geschichte der abendländischen Rationalität, die sich als stets zielgerichtetes, auf Zentren fixiertes Denken erweist. Dagegen stellt er ein - eben eher poststrukturalistisches - Denken in Netzwerken und Spielräumen, in Widersprüchen und Beziehungsgefügen. So weit findet Kappert das auch erhellend. Zugleich will Weber seine Untersuchung aber als Auseinandersetzung mit der aktuellen amerikanischen Politik verstanden wissen, der Titelbegriff "Gelegenheitsziele" (targets of opportunity) bezieht sich auf die Gelegenheiten nutzende Kriegsführung der USA. Grundsätzlich findet Kappert an dieser Bezugnahme nichts Verwerfliches, nur bleibe der Zusammenhang hier doch mindestens empirisch etwas unterbestimmt - daher nimmt sie bei aller Zustimmung zu den Thesen des Buches einen leichten "schalen Beigeschmack" wahr.
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