In diesem Comic kommen Jugendliche zu Wort, die das Gefühl teilen, von der Gesellschaft ignoriert und fallengelassen zu werden. Sie aber haben uns viel zu erzählen. Über ihre starke emotionale Bindung an die Familie. Über falsche Freunde, die bezahlt werden wollen, und die Vorstellung von Freiheit, die im Kopf beginnt. Für die Zeit nach dem Arrest wünschen sie sich eine Art von "Reset", wie bei einer Computerfestplatte, auf der alles gelöscht und von vorn begonnen werden kann. Doch Erinnerungen lassen sich nicht löschen - der Teufelskreis aus häuslicher Gewalt, Schulabbruch, Perspektivlosigkeit, Sucht und Straftaten ist nicht so einfach unterbrechen. So sollen diese von den Jugendlichen selbst verfassten Texte und selbst gezeichneten Bilder Einblicke in ihre Gedankenwelt geben, ohne jedoch die Opferperspektive aus dem Blick zu verlieren.
Beeindruckt ist Rezensentin Marielle Kreienborg von diesem Comic, das Patricia Thoma gemeinsam mit Jugendlichen und Mitarbeitern der Jugendarrestanstalt Berlin-Brandenburg gestaltet hat. Thoma hat sich mit Insassen und auch mit Betreuern unterhalten, die Bilder selbst entstanden dann nach der Vorlage von Fotos, die die Beteiligten beim Nachspielen verschiedener Szenen zeigen. So konnten die Jugendlichen vergleichsweise leicht selbst zeichnerisch aktiv werden und auch ihre Individualität in die Veröffentlichung mit einbringen - daneben stehen Thomas eigene Bilder. Thematisch geht es in dem Band darum, wie die Jugendlichen lernen, über ihr eigenes Leben nachzudenken und wie sie manchmal neue Erfahrungen machen, etwa wenn sie zum ersten Mal ein Buch ausleihen. Gut gefällt Kreienborg auch, dass manche Worte in den Zeichnungen durchgestrichen sind, was auf die gewalttätige Wirkung von Sprache und auch gesellschaftliche Prägung verweist. Eine wichtige Veröffentlichung ist dieser Band, findet die Rezensentin, weil hier die Dinge beim Namen genannt werden und zwar von den Betroffenen selbst. Mehr davon, so das Fazit.
Lena Schätte: Das Schwarz an den Händen meines Vaters Motte wird sie von ihrem Vater genannt. Eigentlich hat sie sogar zwei Väter: den einen, der schnell rennen kann und sich auf alle Fragen eine Antwort ausdenkt. Und den anderen,… Angelika Klüssendorf: Trost 2022. Angelika Klüssendorf erzählt von Liebe, Entzweiung und der Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Rita, Meisterin darin, sich in die falschen Männer zu verlieben, fällt plötzlich… Petra Morsbach: Orion Nora lernt bei einem Studentenjob ihren späteren Mann kennen, einen Archivar. Sie wird Lehrerin für Deutsch und Geschichte in einem oberbayerischen Gymnasium, zieht einen… Christine Wunnicke: Wachs Schauplatz ist Frankreich im 18. Jahrhundert, das vorrevolutionäre und das überaus revolutionäre. Und es lieben sich zwei Frauen, die verschiedener nicht sein könnten: Marie…