Entwicklungspsychiatrische, sexual- und kulturwissenschaftliche Überlegungen zur Genderdebatte und zum Phänomen der Geschlechtsdysphorie bei Minderjährigen
W. Kohlhammer Verlag, Stuttgart 2024
ISBN
9783170455887 Gebunden, 411 Seiten, 27,00
EUR
Eine wachsende Zahl von Minderjährigen fühlt sich "im falschen Körper gefangen". Mit "trans" ist eine neue Identifikationsschablone im Angebot, die auf eine Gruppe vulnerabler Jugendlicher trifft, insbesondere Mädchen, die Schwierigkeiten mit den körperlichen Veränderungen der Pubertät haben. Der Autor beschreibt allgemeinverständlich den aktuellen Stand der Wissenschaft und des mit zahlreichen Halbwahrheiten und ideologiegetriebenen Faktenverzerrungen vergifteten Diskurses. Er plädiert für evidenzbasierte Entscheidungen und warnt vor irreversiblen Gesundheitsschäden durch eine übereilte, oft auf falschen Annahmen und Versprechungen fußende "transaffirmative" Behandlung. Unter Missbrauch der Regenbogen-Botschaft setzen Mediziner, Politiker und Medien eine kleine, höchst schutzbedürftige Patientengruppe größten Gefahren aus.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.05.2025
Alexander Korte mischt sich hier auf interessante Weise in eine hochaktuelle Debatte ein, erklärt Rezensent Thomas Thiel. Der Kinder- und Jugendpsychiater wendet sich gegen jene Teile der transaffirmativen Bewegung, die der geschlechtlichen Neuorientierung junger Menschen möglichst wenig Steine in den Weg legen mögen, beschreibt Thiel, der auch auf die dahinterstehenden Vorstellung eingeht, es gebe eine wahre Bestimmung des Körpers, die durch Medikamente und medizinische Eingriffe hervorgebracht werden soll. Korte dagegen argumentiert, fasst Thiel zusammen, dass geschlechtliche Orientierung ein Prozess mit offenem Ausgang ist, in dem auch soziale und kulturelle Aspekte relevant sind, besonders wichtig sei es deshalb, Fälle von tatsächlicher Geschlechtsdysphorie, bei denen der Einsatz von Pubertätsblockern und Ähnlichem angezeigt sein kann, zu unterscheiden von solchen, in denen der Wunsch nach einem anderen Geschlecht auf andere Faktoren zurückzuführen ist. Korte wirft den Anhängern des konkurrierenden Ansatzes vor, die Gefahren der Transition klein zu reden und gar entsprechende Studien zu unterdrücken, lesen wir weiter. Thiel scheint in der Debatte insgesamt auf Kortes Seite zu sein und ist der Ansicht, dass dieses Buch einen wichtigen Beitrag leisten kann zum notwendigen Umdenken.
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