Patricia Görg

Meier mit y

Ein Jahreslauf
Cover: Meier mit y
Berlin Verlag, Berlin 2008
ISBN 9783827007797
Gebunden, 170 Seiten, 16,00 EUR

Klappentext

Wie früher über Kirchenportalen Monatsbilder den Lauf eines Jahres anzeigten, Arbeitsvorgänge, Vegetationszyklen, Festlichkeiten, so durchläuft hier ein Geiziger von Januar an seinen persönlichen Jahresreigen. Monatsbilder des Geizes. Meyer lebt auf Sparflamme: ängstlich, episodenhaft, immer von Verlusten bedroht, während um ihn herum, hinter ihm, unter ihm, neben ihm Restnatur stoffwechselt und Teile einer zusammenhängenden Geschichte erzählt. Armer Meyer! Schaut durch die Gitterstäbe seines Zwangscharakters. Aber: Sein Y macht da nicht mit. Es turnt über die Dächer, schüttelt die Jugend aus einer abgestoßenen Blechkiste, begeht so und so viele Tollheiten. Ist das noch derselbe Mann, der nachts auf einer Kreuzung nach den wandernden Sternen schießt?

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.08.2008

Keine Frage für Insa Wilke: Patricia Görg kann was. Aber was? "Äußerst virtuos auf dem Geländer der literarischen Genres balancieren". Das kann sie, so Wilke, das beweisen ihre bisherigen Bücher. An Döblin fühlt sich die Rezensentin erinnert von dieser "Wortakrobatin". Sie attestiert ihr, ganz genau zu wissen, was sie tut. Jedes Wort dahinzusetzen, wo es hin soll und hin gehört. Im neuen Roman "Meier mit Y" folgt Görg ihrem Titelhelden durchs Jahr. Der Titelheld ist geizig, aber eher aus Ängstlichkeit als aus Raffgier, meint Wilke. Eng benachbart sind bei Görg, ineinander übergehend, das "Alltägliche" und das "Groteske" und bei beidem im Spiel ist diesmal der Herr Meier und ist vor allem sein Ypsilon. Wobei das Spiel nicht unbedingt spielerisch ist, vielmehr gehe es um ein gezirkeltes Schreiben, oder auch: die Kunst der sprachlichen "Pirouette". Die die Autorin beherrscht. Auf Dauer könnte das, meint die Rezensentin, "seriell" werden. Bis jetzt bieten Görgs Bücher aber nur "Amüsement und Genuss".

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 18.07.2008

Ein Buch, in dem der funkelnde Hass des Helden auf einen Fernsehpfaffen das Hellste ist. In dem es zwar genau, doch auch erschreckend freudlos zugeht und die Autorin unerbittlich vom Traurigen zum Todtraurigen fortschreitet. So ein Buch hat Burkhard Müller für uns gelesen. Seine Erkenntnis ist diese: Geiz (das Thema des Buches) ist nicht geil und auch nicht komisch. Jedenfalls, so lässt sich sagen, hat es Patricia Görg darauf nicht abgesehen. Müller muss leiden. An Görgs Konsequenz "bis zur Ödnis", wenn es darum geht, die Hässlichkeit des Geizes in personaler Perspektive auszuleuchten. Das Todtraurige schließlich stellt sich dem Rezensenten dar als kosmische Version des Geizhalses. Wenn die Autorin Mechanismen der Selbstbewahrung in der Natur aufspürt. Was damit gewonnen ist? Typische Geizhals-Frage.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 18.03.2008

Höchst fasziniert ist Katrin Hillgruber von Patricia Görgs jüngstem Buch, das in zwölf "poetisch verdichteten" Kapiteln durch ein Jahr im Leben des verwitweten Herrn Meyer führt. Den Schilderungen aus dem Alltag dieses fanatischen Sparers, der nur noch durch taktisch errungene Schnäppchen Glücksgefühle erlebt und ansonsten in zwanghafter Angst und bodenloser Einsamkeit gefangen ist, stelle die Autorin facettenreiche Naturbilder gegenüber, lobt die Rezensentin beeindruckt, und so gelinge Görg eine originelle und zudem in der Charakterisierung Meyers auch noch "hochaktuelle" Diagnose einer verbreiteten Krankheit unserer Zeit.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 16.02.2008

Sehr kunstvoll findet Sandra Kerschbaumer dieses Buch, das einen Menschen vorstellt, aber nicht in Form eines geschlossenen Romans, sondern in der Gestalt - wie der Untertitel sagt - eines "Jahreslaufs". Auf zwölf Monate verteilt wird, was dem Helden, Herrn Meyer, widerfährt. Diese Ereignisse aber, die sich nicht zu einer Geschichte verknüpfen, sind solche, die ihn als Geizhals profilieren. Gezeigt wird eine schnäppchenjagende als sinnleere Existenz - mit einem Hauch von "Sehnsucht" nach einem anderen Leben. Das ist gewiss, so Kerschbaumer, oft sehr komisch, aber immer auch voller faszinierender Kleinbeobachtungen aus Discounter und Möbelhaus. Sehr gelungen scheinen der Rezensentin sowohl die genaue sprachliche Ausarbeitung als auch die Komposition des Ganzen mit ihren Motivwiederholungen.
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