Das Buch "Mein Kampf" ist wie keine andere Schrift zu einem Symbol des Nationalsozialismus und der nationalsozialistischen Herrschaft geworden. Gleichzeitig hält sich bis in die Gegenwart hartnäckig die Fehleinschätzung vom ungelesenen und unbeachteten "Bestseller". Die Ergebnisse von Othmar Plöckingers Studie stellen derartige Klischees über "Mein Kampf" in Frage. Plöckinger zeichnet die komplexe Entstehungsgeschichte des Buches nach, die keineswegs von Willkür geprägt war; er entfaltet die weit verzweigte Publikationsgeschichte und verfolgt das schwer zu überblickende Nach- und Nebeneinander der verschiedenen Ausgaben und Auflagen. Sehr deutlich analysiert er schließlich die intensive Auseinandersetzung mit dem Buch in Deutschland vor und nach 1933 und in den Staaten der späteren Alliierten.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.04.2007
Reichlich Material zur Entstehungs-, Publikations- und Rezeptionsgeschichte von Hitlers "Mein Kampf" findet Rezensent Bernd Sösemann in diesem Band von Othmar Plöckinger. Wirklich zufrieden ist er mit dem voluminösen Werk allerdings nicht. Zwar bescheinigt er dem Autor umfangreiche und aufwendige Recherchen. Auch Plöckingers Widerlegung der üblichen Annahme, "Mein Kampf" sei so gut wie nicht gelesen worden, hat ihn überzeugt. Aber zum einen hält er dem Buch konzeptuelle Defizite vor, zum anderen Mängel bei der Darstellung. Hier schiene ihm eine textliche Flurbereinigung bitter von Nöten. Er beklagt die zahlreichen Wiederholungen und Redundanzen, ungeschickte Resümees und unmotivierten Passagen. So wirkt das Ganze auf ihn recht "unförmig und zerfließend". Der volle Gewinn dieses Werks erschließt sich in der vorliegenden Form seines Erachtens allein dem Spezialisten.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.08.2006
Sehr eingehend befasst sich Hans Mommsen mit Othmar Plöckingers Geschichte von Hitlers "Mein Kampf". Verdienstvoll findet er Plöckingers Eintauchen in die Einzelheiten der Entstehung, der Publikationsformen und der Rezeptionsgeschichte des Buches und lobt ausdrücklich die Korrektur der bisherigen Fachliteratur zum Thema "in vielen Details". Positiv aufgefallen sind ihm ferner die Parallelisierung der Textentstehung mit innenpolitischen Vorgängen sowie die klärenden Informationen zur Rolle von Hitlers Mitarbeitern bei der Fertigstellung von "Mein Kampf". Unverständnis äußert Mommsen dagegen angesichts einiger Inkonsequenzen des Autors. So misslingt Plöckingers Anliegen, die These vom "ungelesenen Bestseller" zu widerlegen, gerade aufgrund der vorgelegten Analyse von Bibliothekslisten und zeitgenössischen Publikationen. Und auch Plöckingers Annahme eines in sich kohärenten politischen Weltbilds des Diktators entzieht der Autor mit seiner Darstellung selbst die Basis. Das Buch hält Mommsen dennoch für eine echte Horizonterweiterung in Bezug auf Hitlers Psychologie, kann es auch die Aufgabe einer entmythologisierenden textkritischen Edition von "Mein Kampf" nicht erfüllen.
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