Mit CD. Das Wesen des Gedichts ist Gesang, nicht Gemälde, aber wer so redet (Herder), spricht vom Volkslied. "Es sind / noch Lieder zu singen jenseits / der Menschen" (Celan), doch auch jenseits ihrer Sperenzchen? Kommt im alten Lied das verhaltene, was sich versagt und bleibt im Gedicht, zu Tage, als Tagelied ans Licht? Und was sind das für Worte, die wie Blumen tun, tausendschön, so ohne Erde und Terrain, nur aus der Luft gegriffen? Oswald Egger legt quasi heimatlose Lieder und Gedichte vor, die von dort, woher die Kinder kommen, ins Diesseits kassibern: Zinkblumen (nihilum album) aus Erde und Rede, Zink, das sich im Glosen und Fokus des Gegenständlichen verliert und wie lichtflüchtige Wollflocken in Luft aufgeht: als "lana philosophica" den Alchemisten und Hermetikern bekannt, woraus "nihilum album", das "Weißnicht", "Nichts" und "nicht" entstanden. Das Buch versammelt 3 650 aparte Nichtstandard- Lieder in Vierzeilern (Priameln und Schnaderhüpferln): Sing-Sprüche zur Poesie der Lieder; eine Jahrgirlande mit grotesken Zügen und heiter tänzelnden Wortarabesken. Zu hören auch in der unverwechselbaren Intonation des Autors auf der beigelegten CD.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 16.10.2007
Als "Gesang von den Dingen der Natur" deutet Rezensent Paul Jandl die Lieder und Gedichte, 3.650 Vierzeiler, zehn für jeden Tag, die Oswald Eggers nun in seinem Band "nihilum album" vorgelegt hat. Er verortet den Lyriker in einer im weitesten Sinn romantischen Tradition, sieht bei ihm den Glauben Eichendorffs lebendig, in allen Dingen schlafe ein Lied. Die "Erscheinungen der Natur" würden bei Egger zu Gedichten, die Gedichte wieder zu Erscheinungen der Natur. So entsteht in Jandels Augen eine eigenwillige Mischung aus "Romantik und konkreter Poesie", die ihn sichtlich fasziniert hat.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 27.06.2007
"Originell", aber nicht immer verständlich scheint das Fazit von Rezensent Michael Braun angesichts der 3650 vierzeiligen Gedichte des Südtiroler Lyrikers Oswald Egger zu sein. Einmal mehr zeigt sich der Dichter als enthusiasmierter, naturbegeisterter Sprachmagier, so der Rezensent angetan, dem die kühne Entschlossenheit imponiert, mit der Eggers der Stanzenform zuleibe rückt und sie regelmäßig aufbricht. Für den begeisterten Braun bleibt Egger der überraschendste "Wort-Alchimist" gegenwärtiger Lyrik, auch wenn er freimütig bekennen muss, dass ein Gedicht wie "im Flüstern der Zeder" sich ihm in seiner tieferen Bedeutung nicht erschließen will.
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