Oswald Egger

Euer Lenz

Prosa
Cover: Euer Lenz
Suhrkamp Verlag, Berlin 2013
ISBN 9783518423516
Gebunden, 240 Seiten, 48,00 EUR

Klappentext

Die Steine zu erweichen, sie zum Sprechen zu bringen - das ist die wohl ältere Umschreibung für den Hang, durch und durchs Gebirg zu dringen, der Berge Grenzen und Erzgänge zu verschränken (Grund und Grat); und Stollen, Drusen, Grotten (die Schlieren und Dunstlinien darin) zu untertunneln. Oswald Eggers Instrument für dieses Genre der Geländesondierung in areale Areale ist seine Sprache, die Erdsprache, Tirade, anerkannt durch ein selbstsprechendes Erdrecht, und, im Tretrad der Rede, diese kopflos durchmusternd, ihr ununterredendes Gespräch. Ein Ossian des Südens, geht Oswald Egger in "Euer Lenz" durchs Gebirg und an die Schelmgrenzen des Verstandes, unterläuft und überschreitet die stetigen, gedachten Linien einer Genealogie, welche beständig ineinander übergingen wie gedachte Schatten selbanderm Schlag: sie fliehen den, der sie sieht und sie folgen dem, der sie zieht.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.10.2013

Dass sich Oswald Eggers Prosagefüge "Euer Lenz" der gattungsbegrifflichen und inhaltlichen Einordnung entzieht, wird daraus ersichtlich, dass Sibylle Cramer nahezu die gesamte Rezension dazu aufwendet, ausführlich die Methoden des Autors zu beschreiben. Der bislang als Lyriker bekannte Egger wirft die Regeln von Grammatik und Orthografie über den Haufen, kombiniert unbeschwert drauflos und erfindet kurzerhand neu mit dem Ziel der "Verdunstung des Sinns zur Sinnwolke", berichtet die Rezensentin höchst angeregt. Neben dem titelgebenden Sturm-und-Drang-Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz verweist Cramer auf Bezüge zu Swift und Shakespeare, Bachmann und Artmann, Motive aus Märchen und der Bibel, aus Dada und antiker Philosophie. Kunstvoll und einzigartig das ganze, aber dabei durchaus humorvoll, versichert die begeisterte Rezensentin.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 10.10.2013

Vielwisser, Vielzüngiger, Sprachschabernacker ist dieser Autor und Zeichner für Ilma Rakusa. Die Rezensentin entdeckt in den assoziativen, anspielungsreichen Sprachschöpfungen Oswald Eggers den angekündigten Sturm-und-Drang-Dichter Jakob Michael Reinhold Lenz mit seinen von seiner genialischen Zerrissenheit kündenden Wortschöpfungen und Bildern, etwa dem "Wurmloch zu den Wolken", als auch Eggers poetischen Privatkosmos aus Möbiusbändern und Neologismen, wie "Fallwindtaschen", "Unmulden" oder "Fogwrasen". Rakusa erscheint das so verschwurbelt wie unverwechselbar und komisch dazu.
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