Sechs Jahre wartete die Lena auf ihren Fidl, der 1915 in russische Kriegsgefangenschaft geraten war. Seine Briefe und die Erzählungen ihrer Großmutter verdichtet die Autorin zu einem Panorama unterschiedlichster Gefühle und Ereignisse. Was Krieg, Kampf und das massenhafte Sterben für den einzelnen Soldaten bedeutet, wie Tiroler bei ukrainischen Bauern arbeiten und russische Gefangene beim Grödner Bahnbau helfen, warum ein Welschtiroler zuerst für den österreichischen Kaiser und dann für Italien kämpfen muss, erzählt Helene Flöss.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 25.05.2004
Günther Stocker zeigt sich herb enttäuscht von Helene Flöss' zweitem Tiroler Heimatroman, der voller guter Menschen stecke. Politisch durchaus korrekt, lautet sein Urteil, aber im Ton daneben. Wie schon in ihrem ersten Roman "Schnittbögen" habe Flöss sich der bewegten Südtiroler Geschichte aus der Sicht der kleinen Leute nähern wollen, erklärt Stocker, doch was im Debütroman wie glaubhaftes Lokalkolorit wirkte, habe sich nun in eine zum Klischee erstarrte ländliche Idylle verwandelt. "So wackere Burschen und keusche Mädchen gab es das letzte Mal beim 'Förster im Silberwald'", spottet der Rezensent, bloß dass Flöss' Botschaft nicht reaktionär, sondern politisch korrekt ausfalle. Doch das allein macht den Roman seines Erachtens keinen Deut besser, dessen Schwäche Stocker in seiner "merkwürdig gekünstelten Erzählperspektive" auszumachen meint: ständig spreche einer übergeordnete Erzählerinstanz, die ausgesprochen betulich und volkstümelnd daherkomme. Im gesprochenen Dialekt wirke das vielleicht normal, in der Literatur gerate es zum Manierismus, schließt Stocker.
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